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Zinskurve seit 1972

Bringt es gerade mehr, dein Geld lange zu binden? Das zeigt der Abstand zwischen der 10-jährigen und der 2-jährigen Staatsanleihe. Ist er groß, bekommst du für die lange Laufzeit deutlich mehr Zins. Ist er klein oder sogar negativ, bringt kurz fast dasselbe – oder mehr. Für Deutschland seit 1972 und die USA seit 1976, werktäglich aktualisiert.

Deutschland · Bundesanleihen+0,33Prozentpunktenormal10 Jahre 3,44 % · 2 Jahre 3,11 % (Nullkupon) · Stand 22.10.2026
USA · US-Staatsanleihen+0,32Prozentpunktenormal10 Jahre 5,13 % · 2 Jahre 4,81 % · Stand 21.10.2026

10 Jahre minus 2 Jahre · Monatsdurchschnitte · 1972 – 2026 · Stand: Deutschland 22.10.2026, USA 21.10.2026

unter null: Kurve invers – kurz bringt mehr als lang Deutschland oder USA antippen bzw. anklicken blendet die Kurve aus und wieder ein; im Schaubild zeigt Tippen (oder die Maus) den Wert je Monat. Mit der Maus hebt Überfahren eine Kurve hervor (Esc löst).

Rendite der 10-jährigen minus Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe, in Prozentpunkten; Monatsdurchschnitte, der letzte Punkt ist der laufende Monat. Über null steigt die Zinskurve, unter null ist sie invers.

Was der Renditeabstand bedeutet

Normalerweise bekommst du mehr Zins, wenn du dein Geld länger verleihst. Der Abstand ist dann positiv, die Zinskurve steigt. Wie steil sie steigt, wechselt: Erwartet der Markt, dass das allgemeine Zinsniveau steigt, ist die Kurve steil. Erwartet er, dass es sinkt, wird sie flach – oder sie kippt.

Dann bringt die 2-jährige Anleihe mehr als die 10-jährige. Das heißt invers und passiert selten: in Deutschland in rund 15 % der Monate seit 1972.

Drei Formen der Zinskurve

Schematisch: Rendite je Laufzeit von 2 bis 10 Jahren. Steil: die Rendite steigt von 2 auf 4 Prozent. Flach: sie bleibt bei rund 3 Prozent. Invers: sie fällt von 4 auf 3 Prozent. ↑ Rendite in % 5 4 3 2 2 J.5 J.10 J. Laufzeit → steil flach invers

Das große Schaubild oben zeigt für jeden Monat genau diesen Abstand: 10 Jahre (rechtes Ende) minus 2 Jahre (linkes Ende). Hier bei „steil“ +2 Prozentpunkte, bei „flach“ +0,2, bei „invers“ −1.

Kurz gesagt: Der Abstand sagt dir, wie viel Zins die lange Laufzeit extra bringt – nicht, wie hoch das allgemeine Zinsniveau ist. Beides zusammen lesen: das Niveau bei Renditen von Staatsanleihen seit 1970, die Form hier.

Was das für deine Anleihe heißt

Steil: Lange Laufzeit wird gut bezahlt. Wer sich den Zins für Jahre sichern will, bekommt dafür einen spürbaren Aufschlag.

Normal: Lang bringt etwas mehr, aber nicht viel. Ob du dafür lange bindest, entscheidet, wie lange du das Geld sicher entbehren kannst.

Flach: Kurz bringt fast dasselbe wie lang. Abzuwägen ist dann: Bei kurzer Laufzeit schwankt der Kurs weniger, und das Geld ist bald wieder frei. Oder du baust eine Anleihenleiter aus mehreren Fälligkeiten.

Invers: Kurz bringt sogar mehr. Verlockend – aber der Markt erwartet ein sinkendes allgemeines Zinsniveau. Wer lang bindet, hat den heutigen Zins fest, falls er danach fällt.

Kurve → Laufzeit

SteilLang wird gut bezahlt. Aufschlag für 10 Jahre deutlich – Zins sichern, wenn du das Geld so lange entbehren kannst.
NormalAbwägen. Etwas Aufschlag für lang – passt, wenn du das Geld sicher so lange entbehren kannst.
FlachKurz bringt fast dasselbe. Kaum Aufschlag für lang – kurze Laufzeit, später neu anlegen, oder eine Leiter.
InversKurz bringt mehr – noch. Der Markt erwartet ein fallendes allgemeines Zinsniveau; lang sichert den heutigen Zins.

Abstand über 1 Prozentpunkt = steil, 0,3 bis 1 = normal, 0 bis 0,3 = flach, unter 0 = invers – so stufen auch die Felder oben ein. Keine Empfehlung, sondern die Logik hinter dem Schaubild.

Kurz gesagt: Steil – lang wird gut bezahlt. Normal – etwas mehr für lang. Flach – kurz bringt fast dasselbe. Invers – kurz bringt mehr, lang sichert den Zins. Dein Ziel entscheidet: Zins sichern oder Geld parken.

Die inverse Kurve als Warnsignal

Die inverse Kurve hat einen Ruf: In den USA ging sie fast jeder Rezession voraus – meist ein bis zwei Jahre vorher. Der Grund ist einfach: Der Markt erwartet, dass die Notenbank den Leitzins senken muss, weil die Wirtschaft schwächelt.

Verlässlich ist das nicht. Die jüngste Inversion von 2022 bis 2024 war mit 26 Monaten die längste seit Beginn der US-Reihe 1976 – eine Rezession blieb bis heute aus. Für dich als Anleihe-Käufer zählt vor allem: Invers heißt, der Markt erwartet ein sinkendes allgemeines Zinsniveau.

USA: Kurve invers – und danach?

Kurve inversRezession danach
09/1978 – 04/1980ja – ab 01/1980
09/1980 – 10/1981ja – ab 07/1981
02/1982 – 06/1982mitten in der Rezession ab 07/1981
01/1989 – 06/1989ja – ab 07/1990
02/2000 – 12/2000ja – ab 03/2001
06/2006 – 03/2007ja – ab 12/2007
07/2022 – 08/2024bisher nein

Monate mit inverser Kurve (Monatsdurchschnitt 10 J. − 2 J. unter null, Phasen ab drei Monaten) und der Beginn der nächsten Rezession nach der US-Datierung (NBER). 2019 war die Kurve nur an einzelnen Tagen invers; die Rezession 2020 kam durch die Pandemie.

Kurz gesagt: Invers ist ein Warnsignal für die Wirtschaft, kein Absturz für Anleihen – im Gegenteil: Fällt das allgemeine Zinsniveau danach, steigen die Kurse der langen Anleihen.

Hinweise

Methodik. Gezeigt wird die Rendite der 10-jährigen minus die Rendite der 2-jährigen Staatsanleihe in Prozentpunkten. Das Schaubild zeigt Monatsdurchschnitte (der laufende Monat aus den bisherigen Handelstagen), die Felder oben den jüngsten Tageswert. Einstufung der Felder: über 1 Prozentpunkt „steil“, 0,3 bis 1 „normal“, 0 bis 0,3 „flach“, unter 0 „invers“ – eine grobe Lesehilfe, keine amtliche Definition. Für Deutschland sind es Nullkupon-Renditen; der Tageswert auf Renditen von Staatsanleihen seit 1970 ist die Rendite einer Anleihe mit jährlichem Kupon und liegt deshalb meist einige Hundertstel darunter. Die Werte erscheinen mit einem Tag Abstand; „Stand“ nennt jeweils den letzten Wert.

Quelle: Deutsche Bundesbank; Abstand und Monatsdurchschnitte eigene Berechnung.

Diese Seite erklärt und zeigt Daten; sie empfiehlt keine Anlage. Keine Anlageberatung.

Daten-Stand: Deutschland 22.10.2026, USA 21.10.2026