Bonität und Ratings einfach erklärt
Die Bonität ist die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners: Wie verlässlich zahlt er Zinsen und Rückzahlung? Das Rating ist die Note dafür, von AAA bis D. Sechs kurze Schritte, jeder mit Schaubild. Lesezeit: etwa 7 Minuten · Stand: 15.10.2026
Was ist Bonität?
Bonität heißt Kreditwürdigkeit: Wie verlässlich zahlt ein Schuldner Zinsen und Rückzahlung – pünktlich und vollständig?
Das kannst du selbst kaum prüfen. Deshalb bewerten Ratingagenturen Staaten und Unternehmen und geben ihnen eine Note: das Rating. In der EU sind 26 Agenturen registriert und 3 zertifiziert (ESMA, Stand August 2026); die drei großen – S&P, Moody’s und Fitch – machen gut 90 % des Geschäfts.
So entsteht ein Rating
- Der SchuldnerEin Staat oder ein Unternehmen leiht sich Geld über Anleihen.
- Die Agentur prüftSchulden, Einnahmen, Gewinne, Wirtschaft, Politik – und wie sich das entwickeln kann.
- Die Notevon AAA (beste) bis D (ausgefallen) – dazu ein Ausblick, wohin sie sich bewegt
Kurz gesagt: Das Rating ist die Schulnote für die Zahlungsfähigkeit eines Schuldners.
Die Skala: von AAA bis D
S&P und Fitch vergeben Buchstaben von AAA (beste Note) bis D (Zahlung ausgefallen). Plus und Minus stufen fein ab: A+ ist besser als A, A− schlechter. Moody’s schreibt dieselben Stufen anders – Aaa, Aa1, Aa2 … – mit 1, 2 und 3 statt Plus und Minus.
Die wichtigste Grenze liegt zwischen BBB− und BB+. Darüber heißt es Investment Grade: solide. Darunter beginnt der Hochzins-Bereich („High Yield“): spekulativ. Alle Stufen von fünf Agenturen nebeneinander zeigt die Vergleichstabelle unter dieser Karte.
Die Notenskala
| S&P, Fitch | Moody’s | Bedeutung |
|---|---|---|
| AAA | Aaa | höchste Bonität |
| AAAA+ · AA · AA− | Aa1–Aa3 | sehr hohe Bonität |
| AA+ · A · A− | A1–A3 | hohe Bonität, aber anfälliger für schlechte Zeiten |
| BBBBBB+ · BBB · BBB− | Baa1–Baa3 | ausreichend |
| ↑ Investment Grade · Hochzins (spekulativ) ↓ | ||
| BBBB+ · BB · BB− | Ba1–Ba3 | spekulativ, große Unsicherheiten |
| BB+ · B · B− | B1–B3 | hoch spekulativ |
| CCC–CCCC · CC · C | Caa1–C | Ausfall droht |
| D | – | Zahlung ausgefallen |
Die Noten von Staaten und Unternehmen ändern sich laufend – die aktuelle Note steht bei den Agenturen und auf der Detailseite der Anleihe bei deinem Broker.
Kurz gesagt: Bis BBB− solide, darunter spekulativ.
Fünf Agenturen, eine Skala: die Noten im Vergleich
So schreiben die fünf Agenturen, die auch die Europäische Zentralbank anerkennt, dieselbe Note. Jede Zeile ist eine Stufe – von AAA ganz oben bis zum Ausfall.
| S&P | Moody’s | Fitch | Scope | Morningstar DBRS |
|---|---|---|---|---|
| AAAhöchste Bonität | ||||
| AAA | Aaa | AAA | AAA | AAA |
| AAsehr hohe Bonität | ||||
| AA+ | Aa1 | AA+ | AA+ | AA (high) |
| AA | Aa2 | AA | AA | AA |
| AA− | Aa3 | AA− | AA− | AA (low) |
| Ahohe Bonität, aber anfälliger für schlechte Zeiten | ||||
| A+ | A1 | A+ | A+ | A (high) |
| A | A2 | A | A | A |
| A− | A3 | A− | A− | A (low) |
| BBBausreichend | ||||
| BBB+ | Baa1 | BBB+ | BBB+ | BBB (high) |
| BBB | Baa2 | BBB | BBB | BBB |
| BBB− | Baa3 | BBB− | BBB− | BBB (low) |
| ↑ Investment Grade · Hochzins (spekulativ) ↓ | ||||
| BBspekulativ, große Unsicherheiten | ||||
| BB+ | Ba1 | BB+ | BB+ | BB (high) |
| BB | Ba2 | BB | BB | BB |
| BB− | Ba3 | BB− | BB− | BB (low) |
| Bhoch spekulativ | ||||
| B+ | B1 | B+ | B+ | B (high) |
| B | B2 | B | B | B |
| B− | B3 | B− | B− | B (low) |
| CCC–CAusfall droht | ||||
| CCC+ | Caa1 | CCC+ | CCC | CCC (high) |
| CCC | Caa2 | CCC | CCC | CCC |
| CCC− | Caa3 | CCC− | CCC | CCC (low) |
| CC | Ca | CC | CC | CC |
| C | C | C | C | C |
| Dausgefallen | ||||
| D, SD | C¹ | D, RD | D, SD | D, SD |
Gleiche Zeile heißt gleiche Stufe – aber jede Agentur arbeitet mit eigenen Methoden, dieselbe Note bedeutet deshalb nicht exakt dasselbe Risiko. D steht für Ausfall. Fällt nur ein Teil der Anleihen aus, vergeben S&P, Scope und Morningstar DBRS SD, Fitch RD. ¹ Moody’s hat kein D: Seine tiefste Note C steht meist schon für einen Ausfall.
Was die Note über Ausfälle sagt
Ein Rating ist keine Garantie, sondern eine Einschätzung. Aber es zeigt die Richtung: Je schlechter die Note, desto öfter fallen Schuldner aus.
Bis BBB fällt pro Jahr im Schnitt nicht einmal eines von 500 Unternehmen aus. Ab BB steigt das Risiko steil – bei CCC trifft es jedes Jahr etwa jedes vierte.
Wie oft Schuldner ausfallen
- AAA0,00 % · keiner
- AA0,02 % · 1 von 5.000
- A0,05 % · 1 von 2.000
- BBB0,14 % · 1 von 700
- BB0,56 % · 1 von 180
- B2,93 % · 1 von 34
- CCC26,12 % · 1 von 4
Anteil der Unternehmen mit dieser Note zu Jahresbeginn, die im selben Jahr ausfielen. Langjähriger Durchschnitt; CCC steht für CCC bis C.
Kurz gesagt: Unter BBB− steigt das Ausfallrisiko steil an.
Mehr Risiko, mehr Zins
Wer eine schlechtere Note hat, muss mehr Zins bieten – sonst leiht ihm niemand Geld. Den Mehrzins gegenüber Staatsanleihen bester Bonität nennt man Risikoaufschlag oder Spread.
Der Aufschlag ist kein Geschenk, sondern der Lohn für das Risiko. Ein auffällig hoher Zins heißt deshalb fast immer: Es gibt einen Grund dafür.
Aufschlag je Note
- AAA+0,40
- AA+0,55
- A+0,78
- BBB+1,11
- BB+1,84
- B+3,21
- CCC+8,85
Typischer Aufschlag über US-Staatsanleihen für große US-Unternehmen (Stand Januar 2026). Er schwankt mit der Marktlage – in Krisen ist er deutlich größer.
Kurz gesagt: Schlechtere Note heißt mehr Zins – das ist der Preis für mehr Risiko. Ein auffällig hoher Zins hat fast immer einen Grund.
Der Ausblick: wohin die Note geht
Zur Note eines Staates oder Unternehmens gehört fast immer ein Ausblick (englisch „Outlook“). Er sagt, wohin sich die Note in den nächsten ein bis zwei Jahren wahrscheinlich bewegt: positiv, stabil oder negativ.
Ein negativer Ausblick ist ein Warnsignal, aber noch kein Urteil: Laut Moody’s wurde bisher etwa jeder dritte Schuldner mit negativem Ausblick innerhalb von 18 Monaten herabgestuft. Wird es ernst, setzt die Agentur die Note auf eine Beobachtungsliste (CreditWatch, Review oder Rating Watch). Dann folgte bei Moody’s in mehr als der Hälfte der Fälle die Herabstufung.
So liest du den Ausblick
So steht es da: AA− Ausblick negativ
- PositivDie Note steigt eher.
- StabilDie Note bleibt eher, wie sie ist.
- NegativDie Note sinkt eher.
- In EntwicklungRauf oder runter – beides ist möglich. Selten.
- Ausblick
- gilt für ein bis zwei Jahre
- Beobachtungsliste
- Entscheidung meist in wenigen Monaten
Kurz gesagt: Schau nicht nur auf die Note, sondern auch auf den Ausblick: Er zeigt, wohin sie geht.
Ratings richtig nutzen
Ratings ändern sich. Wird ein Schuldner herabgestuft, fällt meist der Kurs seiner Anleihen.
Ratings können auch irren oder zu spät kommen. Die Agenturen werden meist vom Schuldner selbst bezahlt. Und die US-Bank Lehman Brothers hatte bei Moody’s noch wenige Tage vor ihrer Pleite 2008 die gute Note A2.
So nutzt du Ratings
- Mehrere Agenturen: Sieh dir die Noten von mehr als einer an – sie weichen oft um eine Stufe ab.
- Ausblick: negativ heißt, eine Herabstufung ist möglich – auch bei guter Note.
- Rang der Anleihe: nachrangige Anleihen stehen oft Stufen tiefer als der Schuldner.
- Streuen: Auch eine gute Note ist keine Garantie.
Wo stehen Rating und Ausblick? Die Note steht auf der Detailseite der Anleihe bei deinem Broker. Note und Ausblick findest du auf der Website des Schuldners (Investor Relations) und bei den Agenturen selbst. Bondarium zeigt keine Ratings der Agenturen, sondern bei vielen Anleihen die Bonität laut EZB: eine Spanne der Notenskala wie „AAA bis A−“ oder „BBB+ bis BBB−“, abgelesen aus der EZB-Liste notenbankfähiger Sicherheiten. „–“ heißt nur, dass die Anleihe nicht auf der Liste steht – über ihre Bonität sagt das nichts.
Kurz gesagt: Das Rating ist ein guter Anfang, keine Garantie: Ausblick und Rang prüfen, Geld streuen.
Diese Seite erklärt, wie Ratings funktionieren; sie empfiehlt keine Anlage. Ratings sind Einschätzungen der Agenturen und können sich jederzeit ändern. Die Zahlen sind gerundet.
Hinweise
Notenskala. Bedeutung der Noten nach den Definitionen der Agenturen (Investment Grade = BBB− oder besser); Moody’s-Zusätze 1, 2, 3 = oberes, mittleres, unteres Ende einer Stufe.
Vergleichstabelle. Zuordnung von AAA bis BB laut Ratingskala des Eurosystems (Kreditqualitätsstufen 1 bis 5 für Morningstar DBRS, Fitch, Moody’s, S&P und Scope – die fünf von der EZB anerkannten Agenturen). Darunter nach den Skalen der Agenturen: S&P und Fitch mit Plus und Minus von AA bis CCC, Moody’s mit 1 bis 3 von Aa bis Caa, dann Ca und C; Scope mit Plus und Minus von AA bis B, CCC, CC und C ohne Zusatz; Morningstar DBRS mit (high) und (low) von AA bis CCC, dazu SD. Die tiefsten Stufen (Ca, C) sind nach der üblichen Gegenüberstellung zugeordnet.
Ausfälle. Gewichteter Durchschnitt der Ein-Jahres-Ausfallquoten 1981–2024 für Unternehmen weltweit, aus der veröffentlichten Langzeitstudie einer großen Ratingagentur: Anteil der am 1. Januar bewerteten Unternehmen, die bis Jahresende ausfielen, gewichtet nach der Zahl der Unternehmen je Jahr – AAA 0,00 %, AA 0,02 %, A 0,05 %, BBB 0,14 %, BB 0,56 %, B 2,93 %, CCC/C 26,12 %. „1 von …“ ist daraus gerundet.
Aufschläge. „Default spreads“ nach Rating für große US-Unternehmen außerhalb der Finanzbranche, Daten Januar 2026: AAA 0,40, AA 0,55, A 0,78, BBB 1,11, BB 1,84, B 3,21, CCC 8,85 Prozentpunkte über US-Staatsanleihen. Aufschläge schwanken mit der Marktlage; in Krisen sind sie deutlich größer.
Ausblick. Vier Ausblicke positiv, stabil, negativ und „developing“ (Fitch: „evolving“), hier „in Entwicklung“. Zeitraum laut den Definitionen der Agenturen: bei S&P meist bis zu zwei Jahre (Investment Grade) bzw. bis zu einem Jahr (Hochzins); ein positiver oder negativer Ausblick ist nicht zwingend Vorbote einer Änderung. CreditWatch meist innerhalb von 90 Tagen entschieden. Fitch: ein bis zwei Jahre, Rating Watch. Moody’s: historisch wurde rund ein Drittel der Schuldner innerhalb von 18 Monaten nach einem negativen (positiven) Ausblick herab- (herauf-)gestuft; Überprüfungen („Review“) meist nach 30 bis 90 Tagen abgeschlossen, bei Review auf Herabstufung in mehr als der Hälfte der Fälle mit Herabstufung.
Agenturen. In der EU 26 registrierte und 3 zertifizierte Ratingagenturen (Stand 03.08.2026). Marktanteile in der EU 2025 nach Umsatz: S&P 50,42 %, Moody’s 29,63 %, Fitch 11,82 % – zusammen 91,87 %.
Quelle: Europäische Zentralbank, ESMA.