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Anleihen einfach erklärt

Eine Anleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Sechs Schaubilder an einem Beispiel zeigen, wie sie funktioniert – und warum ihr Kurs fällt, wenn das Zinsniveau steigt. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026

Was ist eine Anleihe?

Dein Geld in fünf Jahren
Einmal gibst du 1.000 €, fünfmal kommen 30 € Zinsen, bei Fälligkeit kommen die 1.000 € zurück – zusammen 1.150 €, wenn der Schuldner zahlen kann. Zahlungsstrahl über fünf Jahre. Heute: du leihst 1.000 €. In Jahr 1, 2, 3, 4 und 5 kommen je 30 € Zinsen, das sind 3 % pro Jahr. In Jahr 5, bei Fälligkeit, kommen die 1.000 € zurück. Zusammen: 5 × 30 € + 1.000 € = 1.150 €, wenn der Schuldner zahlen kann. Zinsen: 30 € pro Jahr (3 %) 1.000 € zurück 1.000 € du leihst Heute 1 2 3 4 5 Fälligkeit Zusammen: 5 × 30 € + 1.000 € = 1.150 € wenn der Schuldner zahlen kann

Eine Anleihe ist ein Kredit – nur bist diesmal du die Bank, und dein Schuldner ist ein Staat oder ein Unternehmen. Er zahlt dir Zinsen und bei Fälligkeit das Geld zurück – solange er zahlen kann. Anders als Festgeld kannst du eine Anleihe vorher an der Börse verkaufen.

Und wie viel ist das? Weltweit stehen Anleihen für rund 161 Billionen US-Dollar aus – so viel, wie alle Aktien der Welt zusammen wert sind. Nur handeln diesen Markt vor allem Banken, Versicherer und Fonds.

Kurz gesagt: Du leihst Geld gegen Zinsen – zurück kommt es nur, wenn der Schuldner zahlen kann.

Mehr dazu
  • Zinsen kommen am Zinstermin: meist einmal pro Jahr, bei manchen Anleihen halbjährlich.
  • Kaufen kannst du Anleihen über ein Depot bei deiner Bank, Sparkasse oder einem Online-Broker – ab der Stückelung, dem Mindestbetrag.
Welche Anleihe-Arten gibt es? →

So groß ist der Markt

50,5 % Anleihen

Die Hälfte des Kapitalmarkts sind Anleihen.

Weltweit, Ende 2025: alle ausstehenden Anleihen und der Börsenwert aller Aktien zusammen ergeben rund 318 Billionen US-Dollar. Ende 2024 lag der Anleihen-Anteil noch bei rund 52 % – 2025 holten die Aktienkurse auf.

Was steht im Steckbrief einer Anleihe?

Vier Angaben fest, zwei beweglich

Steht fest

Emittenti
ein Staat
Nennwerti
1.000 €
Kuponi
3 % pro Jahr
Fälligkeiti
ein fester Tagnoch 5 Jahre (Restlaufzeit)

Ändert sich jeden Börsentag

Kursi
100 % = 1.000 €
Renditei
3,0 % pro Jahr

Rendite gleich Kupon nur bei Kurs 100 %. Mehr dazu in Schritt 3.

Der Emittent ist dein Schuldner, der Kupon der Zinssatz. Der Nennwert ist der Betrag, den der Schuldner bei Fälligkeit zurückzahlen muss. Der Kurs ist der Preis an der Börse, in Prozent vom Nennwert.

Kurz gesagt: Meist ändert sich nur der Kurs – und mit ihm die Rendite.

Mehr dazu
  • Lautet eine Anleihe nicht auf Euro, hängt dein Ergebnis in Euro auch vom Wechselkurs ab.
  • Manche Anleihen darf der Schuldner vor der Fälligkeit zurückzahlen – sie sind kündbar.
Echte Steckbriefe in der Anleihen-Suche →

Warum ist der Kupon nicht die Rendite?

Gleiche Zinsen, anderer Kaufkurs

Deine Anleihe: 1.000 €, 3 % Kupon, noch 5 Jahre bis zur Fälligkeit

Die Zinsen sind bei jedem Kaufkurs 150 €, erst der Kaufkurs macht daraus 3,9 %, 3,0 % oder 2,1 % Rendite pro Jahr. Anleihe über 1.000 € mit 3 % Kupon und noch 5 Jahren bis zur Fälligkeit: Die Zinsen betragen in jedem Fall 5 × 30 € = 150 €. Kurs 96 %: du zahlst 960 €, bekommst 150 € Zinsen und 40 € Kursgewinn, zusammen 190 € Ertrag, Rendite 3,9 % pro Jahr. Kurs 100 %: du zahlst 1.000 €, 150 € Zinsen sind der ganze Ertrag, Rendite 3,0 % pro Jahr. Kurs 104 %: du zahlst 1.040 €, der Kursverlust von 40 € frisst einen Teil der Zinsen, es bleiben 110 € Ertrag, Rendite 2,1 % pro Jahr. Rendite bis Fälligkeit, vor Kosten und Steuern. Ertrag bis zur Fälligkeit Rendite pro Jahr Kurs 96 % · du zahlst 960 € +40 € 150 € Zinsen 3,9 % 190 € Ertrag Kurs 100 % · du zahlst 1.000 € 150 € Zinsen 3,0 % 150 € Ertrag Kurs 104 % · du zahlst 1.040 € −40 € 150 € Zinsen 2,1 % 110 € Ertrag Rendite bis Fälligkeit, vor Kosten und Steuern.

Meist kaufst du an der Börse von anderen Anlegern, zum Kurs des Tages. Kupon und Rückzahlung beziehen sich aber auf den Nennwert, nicht auf deinen Kaufpreis. Zinsen und Kursgewinn oder Kursverlust zusammen, umgerechnet auf ein Jahr und auf deinen Kaufpreis, ergeben die Renditei.

Kurz gesagt: Vergleiche Anleihen mit der Rendite, nicht mit dem Kupon.

Mehr dazu
  • So kommen die 3,9 % zustande: 40 € Kursgewinn auf fünf Jahre sind 8 € pro Jahr. Mit 30 € Zinsen sind das 38 € pro Jahr auf 960 € – rund 4 %, genau gerechnet 3,9 %.
  • Echte Kurse (Deutsche Bundesbank, 22.10.2026): Die Bundesanleihe 6,25 % fällig 04.01.2030 kostet 109,25 %, die Bundesanleihe 2,10 % fällig 15.11.2029 nur 97,00 %. Die Rendite ist praktisch gleich: 3,15 % und 3,15 %. Ein Kurs unter 100 % ist also kein Schnäppchen – er gleicht nur den niedrigeren Kupon aus.
Rendite richtig lesen →

Warum fällt der Kurs, wenn das Zinsniveau steigt?

Der Kurs fällt – und läuft zurück

Deine Anleihe: 1.000 €, 3 % Kupon, noch 5 Jahre bis zur Fälligkeit

Steigt das Zinsniveau kurz nach dem Kauf von 3 auf 3,9 %, fällt der Kurs deiner Anleihe auf 96 % – bis zur Fälligkeit läuft er auf 100 % zurück. Anleihe mit 3 % Kupon und 5 Jahren Restlaufzeit, Kauf zu 100 %. Kurz nach dem Kauf steigt das Zinsniveau von 3 auf 3,9 %. Der Kurs fällt auf 95,98 %, also rund 96,0 % (−4,0 %) – genau der Kurs, bei dem die Rendite 3,9 % beträgt. Danach steigt er Jahr für Jahr: nach 1 Jahr 96,73 %, nach 2 Jahren 97,50 %, nach 3 Jahren 98,30 %, nach 4 Jahren 99,13 %, bei Fälligkeit nach 5 Jahren 100 %. Wer zwischendurch verkauft, hat einen Kursverlust. Die Kursachse beginnt bei 94 %, nicht bei 0. 100 % 98 % 96 %94 % Kauf Jahr 1 2 3 4 5 96,0 % (−4,0 %) Zinsniveau 3 → 3,9 % Verkauf = Kursverlust Kauf: 100 % Fälligkeit: 100 %

Wirklich passiert: Von Ende 2021 bis Ende 2022 stieg die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit von −0,24 % auf 2,53 % (Bundesbank).

Die Zinswippe: Geht das Zinsniveau hoch, geht der Kurs laufender Anleihen runter – und umgekehrt.Eine Wippe auf einem Dreieck: Links sitzt das Zinsniveau oben mit einem Pfeil nach oben, rechts der Kurs unten mit einem Pfeil nach unten. Sinkt das Zinsniveau, kippt die Wippe zur anderen Seite.Zinsniveau ↑Kurs ↓
Die Zinswippe: Zinsniveau rauf, Kurs runter – und umgekehrt.

Kurz nach deinem Kauf steigt das Zinsniveaui: Neue Anleihen haben jetzt 3,9 % Kupon statt 3 %. Deine Anleihe kauft dir dann nur noch jemand für 96 % ab – so hat auch er 3,9 % Rendite. Hältst du sie, holt der Kurs bis zur Fälligkeit wieder auf – bis dahin bekommst du aber nur 30 € Zinsen pro Jahr statt 39 €. Das Bild dazu heißt Zinswippe: Zinsniveau und Kurs sitzen an den beiden Enden – geht das eine hoch, geht das andere runter. Fällt das Zinsniveau, kippt die Wippe zurück, und der Kurs steigt.

Kurz gesagt: Zinsniveau rauf, Kurs runter – je länger die Restlaufzeit, desto stärker.

Mehr dazu
  • Warum genau 96 %? Deiner Anleihe fehlen gegenüber einer neuen fünf Jahre lang je 9 € Zinsen. Auf heute umgerechnet sind das rund 40 €, also 4 % von 1.000 €.
  • Auch eine schwächere Bonität drückt den Kurs (Schritt 5).
  • Bei längerer Restlaufzeit fällt der Kurs beim selben Anstieg stärker, bei kürzerer schwächer. Wie stark, kannst du selbst ausprobieren.
Selbst ausprobieren: Wie stark reagiert der Kurs? →

Was, wenn der Schuldner nicht zahlt?

Schwächere Bonität, mehr Rendite
Je schwächer die Bonität, desto mehr Rendite muss der Schuldner bieten. Bei D zahlt er nicht mehr. Schematisches Säulenbild über acht Bonitätsnoten. Die Säulenhöhe steht für die Rendite, die der Schuldner bieten muss, ohne echte Werte, in relativen Höhen: AAA 22, AA 28, A 36, BBB 48 (Zone gute Bonität, grau), BB 70, B 96, CCC 128 (Zone spekulativ, orange). Bei D steht keine Säule, nur ein gestrichelter Strich: Die Zinsen fehlen, das ist der Ausfall. Von links nach rechts steigt das Ausfallrisiko. Rendite, die der Schuldner bieten muss ↑ Zinsen fehlen AAA AA A BBB BB B CCC D gute Bonität spekulativ Ausfall schematisch Ausfallrisiko steigt →

Dann fehlen Zinsen, und oft kommt nur ein Teil deines Geldes zurück. Eine Einlagensicherungi wie beim Festgeld gibt es nicht. Wie gut ein Schuldner zahlen kann, heißt Bonitäti; Ratingagenturen benoten sie.

Kurz gesagt: Keine Einlagensicherung – je schwächer die Bonität, desto mehr Rendite und desto größer das Ausfallrisiko.

Mehr dazu
  • Ab BB+ beginnt der Hochzins-Bereich: spekulativ. Unter CCC folgen noch CC und C, D heißt Ausfall. Eine Note ist eine Einschätzung, keine Zusage.
  • Bei vielen Anleihen zeigt Bondarium die Bonität laut EZB im Steckbrief.
Bonität und Ratings genauer → Was bei einem Ausfall passiert →

Festgeld, Anleihe oder Aktie?

1.000 € über fünf Jahre – schematisch
Die Anleihe liegt zwischen Festgeld und Aktie: Sie hat einen Kurs und endet beim Nennwert – wenn der Schuldner zahlt. Schematischer Vergleich, 1.000 € über fünf Jahre. Festgeld: kein Kurs, der Wert bleibt bei 1.000 €, fünf Zinszahlungen, Einlagensicherung. Anleihe: Der Kurs schwankt, der Wert pendelt mäßig um 1.000 € und endet bei Fälligkeit beim Nennwert von 1.000 €, wenn der Schuldner zahlt; fünf feste Zinszahlungen (Kupon). Aktie: Der Kurs schwankt stark, es gibt keine Fälligkeit. Das Ende ist offen – es kann über oder unter dem Einsatz liegen; zwei Dividenden, nicht fest. Festgeld Anleihe Aktie 1.000 € Zinsen Zinsen Dividende kein KursEinlagen-sicherung Kurs schwanktNennwert,wenn derSchuldner zahlt Kurs schwanktstarkkeine Fälligkeit

Festgeld ist ein Kredit an deine Bank, eine Aktie ein Stück eines Unternehmens. Die Anleihe liegt dazwischen: Kupon und Fälligkeit stehen meist fest wie beim Festgeld. Bis zur Fälligkeit hat sie aber einen Kurs wie eine Aktie.

Kurz gesagt: Meist feste Zinsen, feste Fälligkeit, schwankender Kurs – und alles hängt am Schuldner.

Alle Unterschiede
MerkmalFestgeldAnleiheAktie
Kurskeinerschwankt, stärker bei langer Restlaufzeitschwankt oft stark
Vor Fälligkeit an dein Geld?meist nichtan der Börse verkaufen, zum Kurs des Tagesan der Börse verkaufen, zum Kurs des Tages
Fälligkeitfester Tagfester Tag; manche darf der Schuldner früher kündigenkeine
Bei PleiteEinlagensicherung bis 100.000 € je Kunde und Bankkeine Einlagensicherung; wird vor den Aktionären ausgezahlt, oft nur ein Teil zurückmeist Totalverlust

Tagesgeld: wie Festgeld, aber täglich verfügbar – der Zinssatz kann sich jederzeit ändern.

Wozu Anleihen neben Aktien? →

Stimmt das?

Steigt das Zinsniveau, steigt auch der Wert meiner Anleihe.

Nein, umgekehrt. Ihr Kurs fällt, weil neue Anleihen mehr Zinsen zahlen – bei deiner Beispielanleihe auf rund 96 % (Schritt 4).

3 % Kupon heißt 3 % Rendite.

Nur bei einem Kurs von 100 %. Kaufst du zu 104 %, sind es rund 2,1 % pro Jahr (Schritt 3).

Halte ich bis zur Fälligkeit, kann nichts schiefgehen.

Nein. Zahlt der Schuldner nicht, ist oft ein großer Teil weg (Schritt 5). Und steigen die Preise stärker als deine Rendite, kauft dein Geld bei Fälligkeit weniger als heute.

Diese Seite erklärt, wie Anleihen funktionieren. Sie empfiehlt keine Anlage. Die Zahlen sind gerundet.

Hinweise

Beispielanleihe: 1.000 € Nennwert, 3 % Kupon, Zinsen einmal pro Jahr, Restlaufzeit 5 Jahre, gekauft am Zinstermin, ohne Kosten und Steuern. Rendite = Rendite bis Fälligkeit: Kurs 96 / 100 / 104 % ergibt 3,90 / 3,00 / 2,15 %. Kursweg: Das Zinsniveau steigt direkt nach dem Kauf von 3 auf 3,9 % und bleibt dort; Kurs 95,98 / 96,73 / 97,50 / 98,30 / 99,13 / 100 %. Rendite für zehn Jahre Restlaufzeit: Monatsendwerte aus der Zinsstrukturkurve (Svensson-Methode). Echte Kurse in Schritt 3: Kurse und Renditen börsennotierter Bundeswertpapiere, bei jedem Datenlauf neu gewählt – fast gleiche Fälligkeit (höchstens 120 Tage auseinander), Kupon mindestens 2 Prozentpunkte verschieden, eine Anleihe über, eine unter 100 %. Notentreppe schematisch.

Quelle: Deutsche Bundesbank.