Anleihen einfach erklärt
Eine Anleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Sechs Schaubilder an einem Beispiel zeigen, wie sie funktioniert – und warum ihr Kurs fällt, wenn das Zinsniveau steigt. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026
Was ist eine Anleihe?
Eine Anleihe ist ein Kredit – nur bist diesmal du die Bank, und dein Schuldner ist ein Staat oder ein Unternehmen. Er zahlt dir Zinsen und bei Fälligkeit das Geld zurück – solange er zahlen kann. Anders als Festgeld kannst du eine Anleihe vorher an der Börse verkaufen.
Und wie viel ist das? Weltweit stehen Anleihen für rund 161 Billionen US-Dollar aus – so viel, wie alle Aktien der Welt zusammen wert sind. Nur handeln diesen Markt vor allem Banken, Versicherer und Fonds.
Kurz gesagt: Du leihst Geld gegen Zinsen – zurück kommt es nur, wenn der Schuldner zahlen kann.
Mehr dazu
- Zinsen kommen am Zinstermin: meist einmal pro Jahr, bei manchen Anleihen halbjährlich.
- Kaufen kannst du Anleihen über ein Depot bei deiner Bank, Sparkasse oder einem Online-Broker – ab der Stückelung, dem Mindestbetrag.
So groß ist der Markt
Die Hälfte des Kapitalmarkts sind Anleihen.
Weltweit, Ende 2025: alle ausstehenden Anleihen und der Börsenwert aller Aktien zusammen ergeben rund 318 Billionen US-Dollar. Ende 2024 lag der Anleihen-Anteil noch bei rund 52 % – 2025 holten die Aktienkurse auf.
Was steht im Steckbrief einer Anleihe?
Der Emittent ist dein Schuldner, der Kupon der Zinssatz. Der Nennwert ist der Betrag, den der Schuldner bei Fälligkeit zurückzahlen muss. Der Kurs ist der Preis an der Börse, in Prozent vom Nennwert.
Kurz gesagt: Meist ändert sich nur der Kurs – und mit ihm die Rendite.
Mehr dazu
- Lautet eine Anleihe nicht auf Euro, hängt dein Ergebnis in Euro auch vom Wechselkurs ab.
- Manche Anleihen darf der Schuldner vor der Fälligkeit zurückzahlen – sie sind kündbar.
Warum ist der Kupon nicht die Rendite?
Deine Anleihe: 1.000 €, 3 % Kupon, noch 5 Jahre bis zur Fälligkeit
Meist kaufst du an der Börse von anderen Anlegern, zum Kurs des Tages. Kupon und Rückzahlung beziehen sich aber auf den Nennwert, nicht auf deinen Kaufpreis. Zinsen und Kursgewinn oder Kursverlust zusammen, umgerechnet auf ein Jahr und auf deinen Kaufpreis, ergeben die Renditei.
Kurz gesagt: Vergleiche Anleihen mit der Rendite, nicht mit dem Kupon.
Mehr dazu
- So kommen die 3,9 % zustande: 40 € Kursgewinn auf fünf Jahre sind 8 € pro Jahr. Mit 30 € Zinsen sind das 38 € pro Jahr auf 960 € – rund 4 %, genau gerechnet 3,9 %.
- Echte Kurse (Deutsche Bundesbank, 22.10.2026): Die Bundesanleihe 6,25 % fällig 04.01.2030 kostet 109,25 %, die Bundesanleihe 2,10 % fällig 15.11.2029 nur 97,00 %. Die Rendite ist praktisch gleich: 3,15 % und 3,15 %. Ein Kurs unter 100 % ist also kein Schnäppchen – er gleicht nur den niedrigeren Kupon aus.
Kaufkurs ausprobieren
Du zahlst 960 € · Ertrag bis zur Fälligkeit 190 € · Rendite 3,9 % pro Jahr
Warum fällt der Kurs, wenn das Zinsniveau steigt?
Deine Anleihe: 1.000 €, 3 % Kupon, noch 5 Jahre bis zur Fälligkeit
Wirklich passiert: Von Ende 2021 bis Ende 2022 stieg die Rendite deutscher Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit von −0,24 % auf 2,53 % (Bundesbank).
Kurz nach deinem Kauf steigt das Zinsniveaui: Neue Anleihen haben jetzt 3,9 % Kupon statt 3 %. Deine Anleihe kauft dir dann nur noch jemand für 96 % ab – so hat auch er 3,9 % Rendite. Hältst du sie, holt der Kurs bis zur Fälligkeit wieder auf – bis dahin bekommst du aber nur 30 € Zinsen pro Jahr statt 39 €. Das Bild dazu heißt Zinswippe: Zinsniveau und Kurs sitzen an den beiden Enden – geht das eine hoch, geht das andere runter. Fällt das Zinsniveau, kippt die Wippe zurück, und der Kurs steigt.
Kurz gesagt: Zinsniveau rauf, Kurs runter – je länger die Restlaufzeit, desto stärker.
Mehr dazu
- Warum genau 96 %? Deiner Anleihe fehlen gegenüber einer neuen fünf Jahre lang je 9 € Zinsen. Auf heute umgerechnet sind das rund 40 €, also 4 % von 1.000 €.
- Auch eine schwächere Bonität drückt den Kurs (Schritt 5).
- Bei längerer Restlaufzeit fällt der Kurs beim selben Anstieg stärker, bei kürzerer schwächer. Wie stark, kannst du selbst ausprobieren.
Was, wenn der Schuldner nicht zahlt?
Dann fehlen Zinsen, und oft kommt nur ein Teil deines Geldes zurück. Eine Einlagensicherungi wie beim Festgeld gibt es nicht. Wie gut ein Schuldner zahlen kann, heißt Bonitäti; Ratingagenturen benoten sie.
Kurz gesagt: Keine Einlagensicherung – je schwächer die Bonität, desto mehr Rendite und desto größer das Ausfallrisiko.
Mehr dazu
- Ab BB+ beginnt der Hochzins-Bereich: spekulativ. Unter CCC folgen noch CC und C, D heißt Ausfall. Eine Note ist eine Einschätzung, keine Zusage.
- Bei vielen Anleihen zeigt Bondarium die Bonität laut EZB im Steckbrief.
Festgeld, Anleihe oder Aktie?
Festgeld ist ein Kredit an deine Bank, eine Aktie ein Stück eines Unternehmens. Die Anleihe liegt dazwischen: Kupon und Fälligkeit stehen meist fest wie beim Festgeld. Bis zur Fälligkeit hat sie aber einen Kurs wie eine Aktie.
Kurz gesagt: Meist feste Zinsen, feste Fälligkeit, schwankender Kurs – und alles hängt am Schuldner.
Alle Unterschiede
| Merkmal | Festgeld | Anleihe | Aktie |
|---|---|---|---|
| Kurs | keiner | schwankt, stärker bei langer Restlaufzeit | schwankt oft stark |
| Vor Fälligkeit an dein Geld? | meist nicht | an der Börse verkaufen, zum Kurs des Tages | an der Börse verkaufen, zum Kurs des Tages |
| Fälligkeit | fester Tag | fester Tag; manche darf der Schuldner früher kündigen | keine |
| Bei Pleite | Einlagensicherung bis 100.000 € je Kunde und Bank | keine Einlagensicherung; wird vor den Aktionären ausgezahlt, oft nur ein Teil zurück | meist Totalverlust |
Tagesgeld: wie Festgeld, aber täglich verfügbar – der Zinssatz kann sich jederzeit ändern.
Wozu Anleihen neben Aktien? →Stimmt das?
Steigt das Zinsniveau, steigt auch der Wert meiner Anleihe.
Nein, umgekehrt. Ihr Kurs fällt, weil neue Anleihen mehr Zinsen zahlen – bei deiner Beispielanleihe auf rund 96 % (Schritt 4).
3 % Kupon heißt 3 % Rendite.
Nur bei einem Kurs von 100 %. Kaufst du zu 104 %, sind es rund 2,1 % pro Jahr (Schritt 3).
Halte ich bis zur Fälligkeit, kann nichts schiefgehen.
Nein. Zahlt der Schuldner nicht, ist oft ein großer Teil weg (Schritt 5). Und steigen die Preise stärker als deine Rendite, kauft dein Geld bei Fälligkeit weniger als heute.
Diese Seite erklärt, wie Anleihen funktionieren. Sie empfiehlt keine Anlage. Die Zahlen sind gerundet.
Hinweise
Beispielanleihe: 1.000 € Nennwert, 3 % Kupon, Zinsen einmal pro Jahr, Restlaufzeit 5 Jahre, gekauft am Zinstermin, ohne Kosten und Steuern. Rendite = Rendite bis Fälligkeit: Kurs 96 / 100 / 104 % ergibt 3,90 / 3,00 / 2,15 %. Kursweg: Das Zinsniveau steigt direkt nach dem Kauf von 3 auf 3,9 % und bleibt dort; Kurs 95,98 / 96,73 / 97,50 / 98,30 / 99,13 / 100 %. Rendite für zehn Jahre Restlaufzeit: Monatsendwerte aus der Zinsstrukturkurve (Svensson-Methode). Echte Kurse in Schritt 3: Kurse und Renditen börsennotierter Bundeswertpapiere, bei jedem Datenlauf neu gewählt – fast gleiche Fälligkeit (höchstens 120 Tage auseinander), Kupon mindestens 2 Prozentpunkte verschieden, eine Anleihe über, eine unter 100 %. Notentreppe schematisch.
Quelle: Deutsche Bundesbank.