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Risiko kennen: sieben Risiken von Anleihen

Sieben Risiken können eine Anleihe treffen: Ausfall des Schuldners, steigendes Zinsniveau, Inflation, Wechselkurs, fehlende Käufer, vorzeitige Kündigung und Nachrang. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026

Ausfallrisiko: Der Schuldner geht pleite

Eine Anleihe ist ein Kredit. Kann der Schuldner nicht mehr zahlen, bekommst du Zinsen und Rückzahlung nicht – oder nur einen Teil. Das ist das Ausfallrisiko. Eine Einlagensicherung wie beim Tages- oder Festgeld gibt es nicht. Geht dagegen deine Bank oder dein Broker pleite, bleiben die Anleihen im Depot dein Eigentum – mehr unter Einlagensicherung oder Bonität.

Wie wahrscheinlich das ist, zeigt das Rating: AAA fällt praktisch nie aus, ab BB+ wird es spekulativ. Und: Setze nie alles auf einen Schuldner. Wie schnell eine Welle neuer Schuldner mit hohen Kupons in Ausfälle kippen kann, zeigt die Eisenbahn-Blase 1873.

Wie oft Schuldner ausfallen

Je 1.000 Schuldner und Jahr: AAA 0, AA 0,2, A 0,5, BBB 1,4, BB 5,6, B 29,3, CCC bis C 261,2 (langjähriger Durchschnitt). Die ganze Tabelle mit Erklärung steht bei Bonität und Ratings.

Ausfälle je Note ansehen →

Kurz gesagt: Die Anleihe ist so gut wie die Zahlungsfähigkeit ihres Schuldners – das Rating schätzt sie ein. Streuen begrenzt den Schaden.

Zinsänderungsrisiko: Der Kurs fällt – und du sitzt fest

Steigt das allgemeine Zinsniveau, fällt der Kurs deiner Anleihe – das Zinsänderungsrisiko. Das trifft vor allem Langläufer – Anleihen mit 20, 30 oder 100 Jahren Laufzeit. Bei kurzen Laufzeiten fällt der Kurs kaum, und das Geld kommt bald zurück.

Einen Langläufer kannst du an jedem Börsentag verkaufen – nach einem Zinsanstieg aber nur mit Verlust. Wer den nicht will, muss halten: Jahrzehnte, mit dem alten, niedrigen Zins. Erst zur Fälligkeit gibt es 100 %.

Bund 0 % 2050 – Kurs seit 2019

Kurs der Bundesanleihe 0 Prozent 2050 in Prozent des Nennwerts, Wochenschlusskurse von August 2019 bis September 2026: Start bei rund 102 Prozent, Hoch bei rund 110 Prozent im März 2020, danach Absturz auf rund 40 Prozent. Die gestrichelte Linie zeigt die Rückzahlung von 100 Prozent im Jahr 2050.↑ Kurs in %0204060801001202020202120222023202420252026Jahr →Rückzahlung 100 % im Jahr 20502019: 102 %2026: rund 40 %Kurs der Bundesanleihe 0 Prozent 2050 in Prozent des Nennwerts, Wochenschlusskurse von August 2019 bis September 2026: Start bei rund 102 Prozent, Hoch bei rund 110 Prozent im März 2020, danach Absturz auf rund 40 Prozent. Die gestrichelte Linie zeigt die Rückzahlung von 100 Prozent im Jahr 2050.↑ Kurs in %0204060801001202020202120222023202420252026Jahr →Rückzahlung 100 %im Jahr 20502019: 102 %2026: rund 40 %

Ein Langläufer: Wer 2019 gekauft hat, verkauft heute mit rund 59 % Verlust (Stand 22.10.2026) – oder wartet bis 2050 auf die 100 %. Eine Anleihe mit 2 Jahren Laufzeit hätte beim selben Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus nur wenige Prozent verloren.

Kurz gesagt: Kurze Laufzeit: kaum Kursrisiko. Lange Laufzeit: Der Markt bestimmt den Preis – jahrzehntelang, nicht du.

Inflationsrisiko: Der Zins ist fest, die Preise nicht

Deine Anleihe zahlt jedes Jahr denselben Betrag. Steigen die Preise schneller, kannst du dir davon immer weniger kaufen. Nach Inflation kann aus 3 % Zins ein Verlust werden.

Das trifft lange Laufzeiten am härtesten: Wer sich 2 % für 30 Jahre sichert, hat verloren, wenn die Inflation dauerhaft darüber liegt.

Was 10.000 € nach 10 Jahren noch kaufen

Der Zins muss erst die Inflation ausgleichen. Was übrig bleibt, ist dein echter Ertrag – der Realzins.

Kurz gesagt: Zähle den Zins nach Abzug der Inflation. Nur der Rest macht dich reicher.

Währungsrisiko: Zinsen in Dollar, Ausgaben in Euro

Kaufst du eine Anleihe in US-Dollar, norwegischen Kronen oder türkischer Lira, kommen Zinsen und Rückzahlung in dieser Währung. Fällt sie gegenüber dem Euro, schrumpft dein Ertrag – auch wenn der Schuldner alles pünktlich zahlt. Steigt sie, gewinnst du zusätzlich.

Wechselkurse schwanken oft stärker, als der Zins hoch ist. Hohe Zinsen in Fremdwährung sind meist der Ausgleich für eine schwache Währung.

Absichern kannst du die Währung – das kostet aber ungefähr den Abstand der kurzen Zinsen beider Währungen: Aus 5,0 % in Dollar bleiben nach Absicherung etwa 3,5 %, ungefähr die Rendite einer Bundesanleihe (Stand Oktober 2026). Abgesichert bringt Fremdwährung also kaum etwas extra, unabgesichert ist sie eine Währungswette.

Dieselbe Anleihe, drei Wechselkurse

Anleihe mit 5 % Zins in US-Dollar, ein Jahr. Der Wechselkurs kann den Zins verdreifachen – oder auffressen.

Kurz gesagt: Fremdwährung ist eine zweite Wette. Der Zins ist fest, der Wechselkurs nicht.

Liquiditätsrisiko: Kein Käufer, wenn du verkaufen willst

Bundesanleihen werden täglich für Milliarden gehandelt. Kleine oder exotische Anleihen dagegen kaum. Dann liegt zwischen Kauf- und Verkaufskurs eine breite Spanne – und manchmal gibt es tagelang gar keinen Kurs.

Verkaufen musst du dann zu dem Preis, den der einzige Händler bietet. Deshalb: vor dem Kauf die Liquidität prüfen – wie rege die Anleihe gehandelt wird und wie eng die Geld-Brief-Spanne ist – und immer mit Limit ordern.

Geld-Brief-Spanne

Geld = was Käufer bieten, Brief = was Verkäufer verlangen. Bei Bundesanleihen liegen beide ein paar Hundertstel auseinander, bei kleinen Unternehmensanleihen oft einen halben Prozentpunkt und mehr – die Spanne zahlst du beim Hin und Zurück. Ein Beispiel mit Zahlen steht bei den Handelsplätzen.

Geld, Brief, Spanne – Beispiel ansehen →

Kurz gesagt: Eine Anleihe ist nur so viel wert, wie jemand dafür bietet. Bei kleinen Anleihen bietet oft niemand.

Kündigungsrisiko: Der Schuldner zahlt früher zurück

Viele Unternehmensanleihen darf der Schuldner vorzeitig kündigen. Das tut er, wenn das allgemeine Zinsniveau gefallen ist – dann bekommst du dein Geld zurück, genau wenn du es nirgends mehr so gut anlegen kannst. Steigt das Zinsniveau, kündigt er nicht, und du sitzt auf dem alten Zins.

Nicht jede Kündigung schadet dir – welche dich meist keine Zinsen kosten, zeigt die Seite Kündbare Anleihen. Und auch ohne Kündigung gilt: Jede Zinszahlung und jede Rückzahlung musst du neu anlegen – zum Zins, der dann gerade gilt. Das ist das Wiederanlagerisiko.

Der Schuldner hat die Wahl

Zinsniveau fällt→Schuldner kündigtDu bekommst 100 % zurück – und findest nur noch weniger Zins.
Zinsniveau steigt→Schuldner kündigt nichtDu behältst den alten, niedrigen Zins – der Kurs steht unter 100.

Wie es auch kommt: Die gute Seite hat der Schuldner. Dafür gibt es bei kündbaren Anleihen etwas mehr Zins.

Kurz gesagt: Ein Kündigungsrecht ist ein Vorteil für den Schuldner. Achte auf das Feld „Kündigung“ im Steckbrief.

Nachrangrisiko: Wer im Pleitefall zuletzt drankommt

Nicht jede Anleihe ist gleich. Nachrang- und Hybridanleihen – oft von Banken und Versicherern – werden im Pleitefall erst bedient, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld haben. Meist bleibt dann nichts.

Bei Banken können die Aufseher solche Anleihen sogar ohne Pleite auf null setzen. Dafür gibt es mehr Zins – der Preis ist ein Aktienrisiko mit Anleihe-Etikett.

Reihenfolge im Pleitefall

Zuerst bekommen die besicherten Gläubiger Geld, dann die normalen Anleihen, dann die Nachranganleihen, zuletzt die Aktionäre. Die ganze Reihenfolge in der Insolvenz und bei Banken steht bei „Wenn der Schuldner nicht zahlt“.

Reihenfolge in der Insolvenz ansehen →

Kurz gesagt: Steht „Nachrang“, „Hybrid“ oder „AT1“ auf der Anleihe, trägst du fast das Risiko eines Aktionärs.

Diese Seite erklärt Risiken. Sie empfiehlt keine Anlage. Die Zahlen sind gerundet.

Hinweise

Ausfälle. Gewichteter Durchschnitt der Ein-Jahres-Ausfallquoten 1981–2024 für Unternehmen weltweit mit Rating, aus einer veröffentlichten Langzeitstudie einer Ratingagentur: AAA 0,00 %, AA 0,02 %, A 0,05 %, BBB 0,14 %, BB 0,56 %, B 2,93 %, CCC/C 26,12 % – hier umgerechnet auf 1.000 Schuldner (eine Nachkommastelle); dieselben Werte wie auf der Seite Bonität.

Kurs des Bund 0 % 2050 (DE0001102481): Wochenschlusskurse in Prozent des Nennwerts von August 2019 bis September 2026 aus den Daten der Langläufer-Seite; erster Kurs 102,19 % (23.08.2019), letzter beim Erstellen des Schaubilds 40,52 % (24.09.2026), im Schaubild als „rund 40 %“ gerundet. Das Schaubild ist eine Momentaufnahme; den täglich aktualisierten Kurs zeigt die Langläufer-Seite. Der Verlust im Text wird beim Aufruf aus denselben Daten gerechnet: letzter Kurs gegenüber dem Ausgabekurs vom 21.08.2019 (103,61 %, gewogener Durchschnittskurs der Auktion laut Tenderergebnis).

Kaufkraft. 10.000 € geteilt durch (1 + Inflation)10. Wechselkurs-Schaubild: (1 + 5 %) × (1 ± 10 %) − 1 = +15,5 % bzw. −5,5 %.

Quelle der Kurse: Deutsche Bundesbank; Verlust eigene Berechnung.