Wie viel Anleihen ins Depot?
Anleihen neben Aktien: was die Mischung bewirkt, wann der Puffer hält, welche Faustregeln es gibt und wie du nachjustierst. Lesezeit: etwa 5 Minuten · Stand: 15.10.2026
Wozu Anleihen neben Aktien?
Aktien haben über lange Zeiträume mehr gebracht als Anleihen – aber ihr Kurs kann sich in einem schlechten Jahr fast halbieren. Anleihen guter Bonität schwanken weniger und zahlen an festen Terminen. Sie sind der ruhige Teil im Depot.
Wie stark dein Depot schwankt, entscheidet deshalb vor allem eine Zahl: der Anteil der Anleihen. Nicht die einzelne Anleihe, nicht der einzelne ETF.
Aktien fallen um 40 % – was wird aus 10.000 €?
Rechenbeispiel: Aktien −40 %, Anleihen unverändert. So tief fielen Aktien schon: Der DAX verlor 2002 rund 44 % und 2008 rund 40 %.
Kurz gesagt: Der Anleihen-Anteil ist die Bremse im Depot. Je größer er ist, desto weniger fällt das Depot, wenn Aktien fallen.
Mehr Aktien: mehr Ertrag, tiefere Täler
Eine lange Datenreihe – bis 1969 nur USA, danach weltweit gemischt – zeigt den Tausch: Mit jedem Schritt mehr Aktien stieg der Ertrag im Durchschnitt – und das schlechteste Jahr wurde schlechter. Reine Anleihen verloren im schlechtesten Jahr rund 13 %, reine Aktien rund 43 %.
Die Verbraucherzentrale hat es für Sparpläne über 25 Jahre gerechnet, nach Abzug der Inflation: Halb Aktien, halb Festgeld brachte im Durchschnitt 4,2 % im Jahr und im schlechtesten Fall 1,3 %. Nur Aktien: 5,2 % – aber im schlechtesten Fall ein kleines Minus.
Aktien und Anleihen gemischt – US-Langzeitreihe 1928 bis 2025
| Mischung | Ø der Jahreswerte | Schlechtestes Jahr |
|---|---|---|
| 100 % Anleihen | 5,2 % | −12,9 % |
| 20 % Aktien | 6,5 % | −14,1 % |
| 40 % Aktien | 7,8 % | −18,7 % |
| 60 % Aktien | 9,1 % | −26,9 % |
| 80 % Aktien | 10,4 % | −35,1 % |
| 100 % Aktien | 11,8 % | −43,3 % |
Jahreswerte in Dollar, vor Inflation, Kosten und Steuern; die Mischung wird jedes Jahr wiederhergestellt. Vergangene Werte sagen nichts Sicheres über die Zukunft.
Kurz gesagt: Die Frage ist nicht, was am meisten bringt. Die Frage ist, welches schlechteste Jahr du aushältst, ohne zu verkaufen.
Der Puffer hält oft – aber nicht immer
2008 brachen Aktien ein, Bundesanleihen legten zu: Wer Sicherheit suchte, kaufte Anleihen, und ihre Kurse stiegen. So war es in den meisten Aktienkrisen seit der Jahrtausendwende.
2022 fiel beides zugleich. Die Inflation sprang nach oben, das allgemeine Zinsniveau stieg so schnell wie seit Jahrzehnten nicht – das drückt Aktien und laufende Anleihen. Die Europäische Zentralbank und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beschreiben dasselbe Muster für die Jahrzehnte hoher Inflation vor 2000.
Zwei Krisenjahre in Deutschland
- Aktien (DAX)
- −40,4 %
- Bundesanleihen (REXP)
- +10,1 %
- Halb und halb
- −15,1 %
Finanzkrise: Anleihen fangen einen Teil auf.
- Aktien (DAX)
- −12,3 %
- Bundesanleihen (REXP)
- −11,9 %
- Halb und halb
- −12,1 %
Zinswende: Beides fällt, der Puffer fehlt.
Kalenderjahre, mit Dividenden und Zinsen. REXP: deutsche Staatsanleihen mit 1 bis 10 Jahren Laufzeit. „Halb und halb“ ist der Mittelwert der beiden Zahlen. Quelle: Deutsche Bundesbank; eigene Berechnung.
Kurz gesagt: Anleihen dämpfen Aktienkrisen, solange das allgemeine Zinsniveau nicht selbst das Problem ist. Steigt es schnell, fallen beide.
Kurze Laufzeiten bremsen besser
Wie ruhig der ruhige Teil ist, hängt an der Laufzeit. 2022 verlor eine Bundesanleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit rund 4 %, eine mit knapp 30 Jahren rund 46 % – weit mehr als Aktien. Der Hebel dahinter heißt Duration.
Bei einer einzelnen Anleihe kommt etwas dazu: Hältst du sie bis zur Fälligkeit, bekommst du 100 % zurück, sofern der Schuldner zahlt – der Kurs dazwischen trifft dich dann nicht. Ein Anleihen-ETF hat dieses Ende nicht.
Bundesanleihen 2022 – nach Restlaufzeit
Bundesanleihen ohne Kupon im Kalenderjahr 2022, Kurse laut Deutscher Bundesbank; 2 Jahre eigene Rechnung aus der Zinsstrukturkurve. Ohne Kupon ist die Kursveränderung die ganze Wertentwicklung. Zum Vergleich: Der DAX verlor im selben Jahr 12,3 %.
Laufzeit: kurz oder lang? →Kurz gesagt: Als Bremse neben Aktien taugen vor allem kurze und mittlere Laufzeiten. Lange Laufzeiten schwanken selbst wie Aktien.
Dein Anteil: drei Fragen statt einer Formel
Den einen richtigen Anteil gibt es nicht. Drei Fragen führen dich zu deinem: Wann brauchst du das Geld? Was in wenigen Jahren feststehen muss, gehört nicht in Aktien. Wie viel Minus hältst du aus? Sieh dir das schlechteste Jahr in der Tabelle oben an und rechne es in Euro um.
Welche Zahlungen müssen sicher kommen? Für feste Termine passen Anleihen, die genau dann fällig werden – siehe Anlageziele. Faustregeln sind ein Startpunkt, kein Ergebnis.
Drei bekannte Faustregeln
| Faustregel | Aktien-Anteil |
|---|---|
| 100 minus LebensalterMit 40 Jahren 60 % Aktien, mit 70 Jahren 30 %. Kennt weder deine Termine noch deine anderen Einkünfte. | sinkt mit dem Alter |
| 60/40Die klassische Mischung, an der sich viele Profis messen. | 60 % |
| Pantoffel-PortfolioStiftung Warentest: defensiv, ausgewogen oder offensiv. Der ruhige Teil ist Tagesgeld oder ein ETF auf Euro-Anleihen. | 25, 50 oder 75 % |
Der Rest ist jeweils der ruhige Teil: Anleihen, Tages- oder Festgeld. Keine der Regeln ist eine Empfehlung dieser Website.
Kurz gesagt: Zeit, Nerven und feste Termine bestimmen den Anteil – nicht das Alter allein und keine Formel.
Nachjustieren: ein paar Mal im Jahr hinsehen
Steigen Aktien über Jahre, wächst ihr Anteil von allein – und mit ihm das Risiko. Nachjustieren heißt: die Aufteilung wieder auf den gewählten Stand bringen. Das hält das Risiko dort, wo du es haben wolltest; mehr Ertrag bringt es nicht unbedingt.
Stiftung Warentest nennt als Schwelle 10 Prozentpunkte Abweichung. Am billigsten geht es ohne Verkauf: Neues Geld, Zinsen und fällige Anleihen fließen in den Teil, der zu klein geworden ist. Ein Verkauf kostet Gebühren und oft Steuern.
Halb und halb – nach guten Aktienjahren
AktienAnleihen
Rechenbeispiel mit ausgedachten Zahlen. Aus 50 zu 50 wird 61 zu 39 – mehr als 10 Prozentpunkte Abweichung. Kosten und Steuern des Umschichtens sind nicht eingerechnet.
Kurz gesagt: Die Aufteilung ein paar Mal im Jahr prüfen, erst bei deutlicher Abweichung handeln – am billigsten mit neuem Geld statt mit Verkäufen.
Diese Seite erklärt, wie Anleger über den Anteil von Anleihen nachdenken. Sie empfiehlt keine Aufteilung und kein Produkt. Vergangene Wertentwicklungen sind keine Prognose. Keine Anlageberatung.
Hinweise
Rechenbeispiele (Karten 1 und 6). Ausgedachte Zahlen zur Veranschaulichung: Depotwert = Anteil × Wertentwicklung je Teil, ohne Kosten, Steuern und Zinsen.
Mischungen 1928 bis 2025 (Karte 2). Aktien: bis 1969 nur USA, danach 60 % USA und 40 % international; Anleihen: bis 1990 nur USA, danach 70 % USA und 30 % international (währungsgesichert). Durchschnitt (Mittel der Jahreswerte) und schlechtestes Kalenderjahr, nominal in US-Dollar. Der jährliche Zuwachs über viele Jahre (geometrisches Mittel) liegt darunter – umso mehr, je stärker die Jahreswerte schwanken. Für Anleger im Euroraum lagen die Werte anders; die Reihenfolge der Mischungen ist dieselbe.
Sparpläne über 25 Jahre (Karte 2). Gerechnet für 1970 bis 2018, nach Inflation, mit Festgeld und weltweiten Aktien.
DAX und REXP (Karten 1, 3 und 4). Jahresendstände der Indizes. DAX-Performanceindex: Ende 2001 5.160,10 · Ende 2002 2.892,63 · Ende 2007 8.067,32 · Ende 2008 4.810,20 · Ende 2021 15.884,86 · Ende 2022 13.923,59. REX-Performanceindex (REXP): Ende 2007 325,02 · Ende 2008 357,99 · Ende 2021 490,77 · Ende 2022 432,53. Die Jahreswerte sind daraus berechnet. Der REXP bildet deutsche Staatsanleihen mit 1 bis 10 Jahren Restlaufzeit ab; Indizes über alle Laufzeiten verloren 2022 mehr.
Bundesanleihen 2022 nach Restlaufzeit (Karte 4). Kurse am 30.12.2021 und 30.12.2022: Bund 0 % 15.08.2031 (DE0001102564) 101,99 → 81,04 % = −20,5 %, Bund 0 % 15.08.2050 (DE0001102481) 96,41 → 52,10 % = −46,0 %. 2 Jahre: eigene Rechnung mit der Zinsstrukturkurve (Restlaufzeit 2 Jahre, Monatsende Dezember 2021 −0,68 %, Dezember 2022 2,59 %) für eine Anleihe ohne Kupon, nach einem Jahr mit der 2-Jahres-Rendite bewertet: 100 ÷ 0,9932² = 101,37 → 100 ÷ 1,0259 = 97,48, also −3,8 %. Bei Anleihen ohne Kupon ist die Duration gleich der Restlaufzeit (Ende 2021: 2, 9,6 und 28,6 Jahre).
Quelle der Kurse und Indexstände: Deutsche Bundesbank; Jahreswerte eigene Berechnung.
Diese Seite ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.