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Handelsplätze: Wo Anleihen gehandelt werden

Wo Anleihen gehandelt werden, wer dir den Kurs stellt und welcher Platz sich für dich eignet. Drei Karten und eine Tabelle mit elf Handelsplätzen. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026

Zwei Welten: Profimarkt und Börse

Der Anleihenmarkt ist der größte Markt der Welt – und läuft zum größten Teil ohne Börse. Banken, Fonds und Versicherer handeln untereinander: per Telefon, Chat und auf Plattformen wie Bloomberg, Tradeweb oder MarketAxess. Allein europäische Staatsanleihen: 34 Billionen Euro im zweiten Halbjahr 2025, im Schnitt 6,3 Millionen Euro je Geschäft, die Hälfte davon ganz ohne Handelsplatz.

Dorthin kommst du nicht. Dein Weg ist die Börse: Dort stellt ein Handelsexperte laufend Kauf- und Verkaufskurse – auch für 1.000 Euro. Den Preis holt er sich aus dem Profimarkt und gibt ihn mit einer Spanne an dich weiter.

Wer mit wem handelt

Kurz gesagt: Profis handeln untereinander, du über die Börse. Dein Kurs ist der Profipreis plus Spanne.

Wer den Kurs stellt – und wann er gut ist

An jedem Platz sitzt ein Handelsexperte: in Frankfurt der Spezialist, in Stuttgart der Bondexperte, bei gettex, Tradegate und Quotrix ein Market Maker wie die Baader Bank. Er nennt einen Geldkurs (dazu kauft er) und einen Briefkurs (dazu verkauft er). Der Abstand ist die Geld-Brief-Spanne – bei Bundesanleihen ein paar Hundertstel, bei kleinen Unternehmensanleihen ein halber Prozentpunkt und mehr.

Zwei Regeln: Zwischen 9 und 17:30 Uhr, wenn der Profimarkt läuft, sind die Spannen am engsten – morgens und abends stellt er breiter, weil ihm die Referenz fehlt. Und ein Kurs ohne Umsatz ist nur eine Taxe: eine Einladung, kein Beweis, dass jemand dazu handelt.

Geld, Brief, Spanne – Beispiel

Angenommene Kurse. Geld = der Experte kauft, Brief = er verkauft; du kaufst zum Brief.

Kurz gesagt: Geld = er kauft, Brief = er verkauft. Die Spanne ist dein Preis – tagsüber eng, abends weit, ohne Umsatz nur eine Taxe.

Die Handelsplätze im Überblick

Elf Wege zur Anleihe. Bedeutung sagt, welches Gewicht der Platz im Anleihenhandel hat. Für dich ist unsere Einschätzung für Privatanleger – nach Auswahl, Spanne, Handelszeit und Börsenentgelt. Welche Plätze du siehst, entscheidet dein Broker.

Elf Handelsplätze für Anleihen: Beschreibung, Anzahl Anleihen, Handelszeit, Bedeutung und Bewertung für Privatanleger
HandelsplatzAnleihenHandelszeitBedeutungFür dich
Börse FrankfurtParkett der Deutschen Börse, Spezialisten stellen die Kurse. Die größte Auswahl in Deutschland – und die Quelle der Kurse auf dieser Website.rund 27.7008 – 17:30 Uhrsehr groß5 von 5
Börse StuttgartFührend bei Unternehmensanleihen. Die Bondexperten bündeln Liquidität aus dem Profimarkt und stellen bis in den Abend Kurse.rund 17.8007:30 – 22 Uhrsehr groß5 von 5
gettexElektronischer Platz der Börse München, Market Maker Baader Bank. Kein Börsenentgelt; bei einigen Brokern ganz ohne Gebühr.rund 14.6007:30 – 23 Uhrgroß4 von 5
Tradegate BSXBerlin, seit 2026 mit der Börse Berlin verschmolzen. Europas größte Privatanleger-Börse bei Aktien; Anleihen sind Nebensache, Bundesanleihen aber eng. Kein Börsenentgelt.keine Angabe7:30 – 20 Uhrmittel3 von 5
QuotrixMarket-Maker-Börse der Börse Düsseldorf (mit Hamburg und Hannover). Ohne Börsenentgelt, große Auswahl – aber wenig bekannt und nicht bei jedem Broker.rund 16.0007:30 – 22 Uhrklein3 von 5
Börse MünchenParkett mit Spezialisten, neben gettex. Große Auswahl, ansonsten kein Grund, den Umweg zu gehen.über 15.0008 – 22 Uhrklein3 von 5
XetraElektronisches Orderbuch der Deutschen Börse. Bei Anleihen fast nur Bundeswertpapiere – dort dafür sehr eng.wenige9 – 17:30 Uhrklein2 von 5
LS ExchangeBörse von Lang & Schwarz in Hamburg, Handelsplatz von Trade Republic. Lange Zeiten, kleine Auswahl – nur ein Teil der Anleihen ist überhaupt handelbar.Auswahl7:30 – 23 Uhrklein2 von 5
DirekthandelAußerbörslich direkt mit einem Market Maker (Baader, Lang & Schwarz, Tradegate …). Kein Börsenentgelt, aber keine Börsenaufsicht über den Preis – Briefkurs mit der Börse vergleichen.je Anbietermeist 8 – 22 Uhrmittel3 von 5
Börsen im AuslandEuronext, Borsa Italiana, SIX, Wien. Für Sonderfälle – Zugang teuer, Abwicklung und Steuer aufwendiger. Luxemburg notiert Tausende Anleihen, gehandelt wird dort kaum.––für dich klein1 von 5
ProfimarktAußerbörslich und auf Plattformen (Bloomberg, Tradeweb, MarketAxess): Banken, Fonds, Versicherer, Losgrößen in Millionen. Hier entstehen die Preise – für dich nicht zugänglich.alle–sehr großkein Zugang

Anzahl und Handelszeiten für Anleihen laut den Handelsplätzen, Stand Oktober 2026 – Einzelheiten unten unter „Hinweise“. „Für dich“ ist unsere Einschätzung, keine Empfehlung: Was am Ende zählt, ist die Spanne für deine Anleihe an dem Tag.

Vier Regeln: Wo Rendite verloren geht

Bei Anleihen wird nicht im Depot verdient, sondern beim Kauf. Die Spanne ist die stille Gebühr – bei großen Staatsanleihen winzig, bei kleinen Unternehmensanleihen schnell ein Prozent und mehr.

Ein Prozent klingt wenig. Bei einer Anleihe mit 3 % Zins ist es ein Drittel des Jahresertrags – weg, bevor du den ersten Kupon siehst. Vier Regeln halten die Kosten klein.

Vier Regeln für den Kauf

  • Immer mit LimitSonst zahlst du den Kurs, den der Händler gerade stellt.
  • Große, liquide AnleihenVolumen über 1 Mrd. € heißt enge Spannen – Nischenpapiere kosten mehr.
  • Zur HandelszeitZwischen 9 und 17:30 Uhr, wenn der Profimarkt läuft, sind die Spannen enger als morgens und abends.
  • Gebühren vergleichen10 € Gebühr auf 2.000 € sind 0,5 % – so viel wie ein halbes Jahr Zins bei 1 %.

Kurz gesagt: Limit setzen, liquide Papiere, enge Spannen – so bleibt die Rendite bei dir.

So wählst du den Handelsplatz

Dein Broker bestimmt die Auswahl: Neobroker haben oft nur einen Platz, Direktbanken fast alle – welcher Broker welche hat, steht im Broker-Vergleich. Am günstigsten handelst du dort, wo die Spanne für genau deine Anleihe am engsten ist, und das kann heute Frankfurt sein und morgen Stuttgart.

Drei Schritte: Erst prüfen, wo die Anleihe einen Kurs mit Umsatz hat – such sie in der Anleihen-Suche; ihr Steckbrief zeigt Platz, Datum und Umsatz. Dann den Briefkurs an zwei Plätzen vergleichen; der Unterschied ist oft größer als die Gebühr. Dann mit Limit kaufen, tagsüber zwischen 9 und 17:30 Uhr.

Drei Schritte vor der Order

  1. Kurs mit Umsatz?Ohne Umsatz ist der Kurs eine Taxe. Steckbrief: Platz, Datum, Umsatz.
  2. Briefkurs vergleichenZwei Plätze, gleiche Minute. 0,3 Prozentpunkte Unterschied = 15 € je 5.000 €.
  3. Limit, tagsüber9 bis 17:30 Uhr, Limit am Briefkurs oder knapp darüber.

Mehr zu Kosten je Kauf: Steuern und Handelskosten.

Kurz gesagt: Erst Umsatz, dann Briefkurs, dann Limit. Ein Platz ist so gut wie seine Spanne für deine Anleihe.

Diese Seite erklärt Handelsplätze. Sie ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung für einen Anbieter. Kurse in den Schaubildern sind Beispiele.

Hinweise

Profimarkt. Marktstatistik der Branche für das 2. Halbjahr 2025: 34,1 Billionen Euro Umsatz in europäischen Staatsanleihen (EU und Großbritannien), 50 % des Volumens außerbörslich (OTC), 31 % Händler-zu-Kunde- und 19 % Händler-zu-Händler-Plattformen; durchschnittliche Geschäftsgröße 2025: 6,3 Millionen Euro.

Anzahl und Handelszeiten gelten für Anleihen und stammen von den Handelsplätzen (Stand 17.10.2026). Aktien und ETFs handeln in Frankfurt und bei Tradegate BSX bis 22 Uhr. gettex: 8.500 Euro- und 6.100 Fremdwährungsanleihen. Tradegate BSX: Verschmelzung von Tradegate Exchange und Börse Berlin zum 01.01.2026; eine Anleihen-Zahl nennt die Börse nicht. Direkthandel: Zeiten je Market Maker.

Bewertung „Für dich“. Unsere Einschätzung nach vier Kriterien: Auswahl an Anleihen, übliche Spanne, Handelszeit und Börsenentgelt – je Platz gewichtet, keine Messung. Sie ersetzt nicht den Blick auf die Spanne der konkreten Anleihe. „Bedeutung“ ordnet das Gewicht im Anleihenhandel ein (Umsatz, Auswahl, Rolle als Preisquelle).