Deine erste Anleihe in neun Schritten
Vom Termin bis zur Rückzahlung – mit einem Beispiel, das durch alle Schritte führt: 5.000 € für ein Auto im Herbst 2028, angelegt in einer Anleihe mit Bestnote. Das Beispiel rechnet mit Kursen vom 23.09.2026 und einem Kauf am 24.09.2026; mit heutigen Kursen fallen die Zahlen etwas anders aus. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026
Lege deinen Termin fest
Fang mit deinem Termin an. Im Beispiel willst du im Herbst 2028 ein Auto kaufen und legst bis dahin 5.000 € an. Deine Anleihe sollte kurz vor dem Termin fällig werden – hier am 19.10.2028. Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt 100 % zurück – egal, wie der Kurs zwischendurch schwankt, solange der Schuldner zahlt (Schritt 2).
Du kannst die Anleihe auch vorher verkaufen – in der Regel an jedem Börsentag über die Börse. Dann bekommst du den Kurs des Tages: Liegt er unter deinem Kaufkurs, machst du Verlust, liegt er darüber, Gewinn.
Dein Plan auf einen Blick
Kurz gesagt: Fälligkeit kurz vor deinem Termin – dann gibt es 100 % zurück, wenn der Schuldner zahlt. Verkaufst du früher, zählt der Tageskurs.
Achte auf die Bonität
Die Bonität sagt, wie verlässlich der Schuldner Zinsen und Rückzahlung zahlt. Für die erste Anleihe: Rating AAA oder AA. Die Note steht im Steckbrief der Anleihe bei deinem Broker; der Steckbrief auf Bondarium zeigt die Bonität laut EZB – dort ist „AAA bis A−“ die oberste Stufe. Ein auffällig hoher Zins ist fast immer der Lohn für mehr Risiko.
Im Beispiel: eine Staatsanleihe mit der Bestnote AAA.
Ratings richtig nutzen →Kurz gesagt: Erst Bonität, dann Zins – nicht umgekehrt.
Kaufe in Euro
Eine Anleihe in Euro zahlt Zinsen und Rückzahlung in Euro. Bei Dollar & Co. schwankt dein Ergebnis zusätzlich mit dem Wechselkurs.
Im Beispiel: Euro – Zinsen und Rückzahlung kommen ohne Umtausch.
Kurz gesagt: Euro – kein Wechselkursrisiko.
Nimm einen festen Zins
Ein fester Kupon zahlt jedes Jahr denselben Betrag – du weißt vorher, was kommt. Variable Zinsen ändern sich mit dem Zinsniveau.
Im Beispiel: 2,40 % fest – auf 5.000 € sind das 120 € an jedem 19. Oktober.
Kurz gesagt: Fester Zins – planbare Zahlungen.
Prüfe die Stückelung
Die Stückelung ist der kleinste Betrag, den du kaufen kannst. Bundesanleihen gibt es ab 1 Cent, viele andere ab 1.000 € – manche Unternehmensanleihen erst ab 100.000 €. Sie steht in der Anleihen-Suche und im Steckbrief. Was hinter einer Kaufsperre steckt, erklärt Warum kann ich diese Anleihe nicht kaufen?
Im Beispiel: ab 0,01 € – 5.000 € passen problemlos.
Kurz gesagt: Die Stückelung muss zu deinem Betrag passen.
Wähle ein günstiges Depot
Anleihen kaufst du über ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Online-Broker. Weil Anleihen nur ein paar Prozent im Jahr bringen, zählt jeder Euro Gebühr.
Vergleiche die Kosten pro Order und fürs Depot. Für einen Kauf über 5.000 € verlangen die Anbieter im Broker-Vergleich online 0 bis rund 18 €; über den Berater in der Filiale sind es bei der Beispiel-Sparkasse rund 54 €. Nicht jede App bietet einzelne Anleihen an – manche nur Anleihen-ETFs. Prüfe vorher per ISIN, ob du deine Anleihe dort kaufen kannst.
Was von 328 € Ertrag übrig bleibt
Ertrag der Beispiel-Anleihe bis zur Fälligkeit vor Steuern: 328 €. Die Filialbank-Preise stehen unter „Hinweise“.
18 Broker im Vergleich →Kurz gesagt: Jeder Euro Gebühr fehlt am Ende bei deiner Rendite.
Prüfe Kurs, Rendite und Spanne
Der Kurs steht in Prozent vom Nennwert: 98,37 % heißt, 5.000 € Nennwert kosten 4.918,50 €. Am Ende bekommst du 100 % – der Unterschied ist dein Kursgewinn.
Vergleiche deshalb die Rendite, nicht den Kupon: Sie rechnet Zinsen und Kursgewinn zusammen. Und schau auf die Spanne zwischen Brief- und Geldkurs. Bei großen Anleihen mit Milliarden im Umlauf ist sie winzig, bei kleinen oft mehr als ein Prozent.
Im Beispiel (Kurse vom 23.09.2026): Kupon 2,40 %, Kurs 98,37 % – das ergibt eine Rendite von 3,22 % im Jahr (mit 1 € Ordergebühr).
Geld, Brief, Spanne
Geldkurs = der Händler kauft, Briefkurs = er verkauft; der Abstand ist dein Preis. Beispiel-Anleihe 98,33/98,37 (0,04 = 2 € je 5.000 €), kleine Unternehmensanleihe 95,00/96,00 (50 € je 5.000 €). Wer den Kurs stellt und wann er gut ist, steht bei den Handelsplätzen.
Wer den Kurs stellt →Kurz gesagt: Rendite vergleichen und große Anleihen kaufen – dann bleibt die Spanne klein.
Gib die Order richtig ein
- Nennwert statt Stück: Du gibst den Betrag ein, zum Beispiel 5.000 € – keine Stückzahl.
- Immer mit Limit: knapp über dem Briefkurs. So kaufst du nie teurer als geplant. „Billigst“ heißt ohne Preisgrenze – das wählst du nicht.
- Große Börse, tagsüber: zum Beispiel Stuttgart oder Frankfurt, zwischen 9 und 17:30 Uhr. Dann ist am meisten los und die Spanne meist am kleinsten.
- Nur für heute: Lass die Order am Abend verfallen. Morgen prüfst du neu.
So sieht die Order aus
Kauforder Beispiel
Kurz gesagt: Nennwert, Limit, große Börse, nur heute – dann sitzt die Order.
Plane die Stückzinsen ein
Kaufst du zwischen zwei Zinsterminen, zahlst du dem Verkäufer die Zinsen, die seit dem letzten Termin aufgelaufen sind – die Stückzinsen. Auf der Abrechnung stehen sie extra.
Das Geld ist nicht weg: Am nächsten Zinstermin bekommst du die Zinsen für das ganze Jahr. Und die gezahlten Stückzinsen zieht die Bank von diesen Zinsen ab – versteuern musst du im Beispiel nur 120 € − 113,10 € = 6,90 €.
Plane etwas Puffer ein: Für 5.000 € Nennwert brauchst du im Beispiel 5.032,60 € auf dem Verrechnungskonto, dem Konto bei deinem Broker, von dem der Kauf abgebucht wird – sonst lehnt die Bank die Order womöglich ab.
Wem die Zinsen gehören – Beispiel: Kauf am 24.09.2026
Abrechnung Beispiel
Kurz gesagt: Stückzinsen zahlst du vor – mit dem nächsten Zinstermin kommen sie zurück.
Deine Checkliste
0 von 9 erledigt
Hake ab, was du erledigt hast. „Schritt“ führt zurück zur Erklärung.
Alles abgehakt – du bist bereit für deine erste Anleihe.
Lieber nicht für den Anfang: Hochzins, nachrangig, kündbar, Fremdwährung.
Die Suche ist vorgefiltert wie im Beispiel: Bund, Länder und Förderbanken · Euro · fester Zins · 1 bis 3 Jahre Restlaufzeit · ab 100 Mio. € im Umlauf. Die Restlaufzeit passt du an deinen Termin an.
Die Zahlen im Beispiel sind gerundet (Kursdatum unter „Hinweise“); Kurse und Gebühren ändern sich täglich bzw. je Anbieter. Die Seite zeigt, wie man vorgeht – sie ist keine Anlage- und keine Steuerberatung.
Hinweise
Beispiel-Anleihe. Die Zahlen sind einer real gehandelten Staatsanleihe mit Bestnote AAA nachempfunden: 2,40 % Kupon, fällig 19.10.2028, 29,5 Mrd. € im Umlauf, Kurs 98,35 % und Rendite 3,24 % am 23.09.2026. Geld- und Briefkurs sind darum herum angenommen (98,33 / 98,37 %). Sie dient nur als Rechenbeispiel, nicht als Empfehlung.
Rechnung. Stückzinsen nach der Zinsmethode actual/actual (ICMA), üblich bei Staatsanleihen im Euroraum: vom letzten Zinstermin 19.10.2025 bis zum Abrechnungstag (Valuta) 28.09.2026 (zwei Bankarbeitstage nach dem Kauf am 24.09.2026) = 344 von 365 Tagen. Rendite des Beispiels mit 1 € Ordergebühr: interner Zinsfuß der Zahlungen = 3,22 % im Jahr. Steuer vereinfacht: Sparerpauschbetrag 1.000 € (Paare 2.000 €, Stand 2026).
Gebühren. Online-Preise: aus dem Broker-Vergleich, geprüft am 01.10.2026 in den Preisverzeichnissen der Anbieter (bei 5.000 € 0 bis rund 18 €; im Beispiel 1 € je Order). Filialbank: Preisaushang einer Sparkasse vom 03.08.2026, geprüft am 01.10.2026 – Order über den Berater 19,90 € zuzüglich 0,7 % vom Kurswert, Depot 8,93 € im Quartal plus 0,0595 % vom Kurswert im Quartal (für zwei Jahre rund 95 €). Fremde Kosten (Börsenentgelte) nicht eingerechnet. Alle Anbieter im Einzelnen: Broker im Vergleich.
Handel. Privatanleger kaufen Anleihen über ein Depot, an der Börse oder außerbörslich. Die Börse Stuttgart handelt Anleihen von 7:30 bis 22 Uhr; die Empfehlung „tagsüber“ folgt daraus, dass die Spannen in den Hauptbörsenzeiten meist am engsten sind.
Quelle von Kurs und Rendite der Beispiel-Anleihe: Deutsche Bundesbank; Stückzinsen, Rendite mit Gebühr und Ertrag eigene Berechnung.