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Risikoaufschläge: Euro-Staaten und USA

Wie viel mehr Zins zahlen Italien, Frankreich oder ein Unternehmen als der Schuldner mit der besten Bonität? Der Aufschlag ist das Angstbarometer des Anleihenmarkts – für Euro-Staaten gegen die Bundesanleihe seit 1991, für US-Unternehmen gegen die US-Staatsanleihe seit 1984.

Italien − Bund+0,80Prozentpunkte3,99 % gegen Bund 3,19 % · Monatsdurchschnitt August 2026
Frankreich − Bund+1,01Prozentpunkte4,48 % gegen Bund 3,47 % · Monatsdurchschnitt September 2026
Spanien − Bund+0,45Prozentpunkte3,92 % gegen Bund 3,47 % · Monatsdurchschnitt September 2026
USA: Unternehmen+0,87Prozentpunkte5,86 % gegen US-Staatsanleihe 4,99 % · September 2026 · Durchschnitt seit 1984: 1,3

Staatsanleihen 10 Jahre gegen Deutschland · Monatswerte · 1991 – 2026 · Stand: September 2026

Euro-Staaten gegen die Bundesanleihe

Vor dem Euro der Preis der Währung, seither der Preis des Zweifels.

USA: Unternehmen gegen Staatsanleihe

Unternehmen hoher Bonität (AAA bis A), 10 Jahre Laufzeit.

Monatswerte in Prozentpunkten.

Was ist ein Risikoaufschlag?

Aufschlag = Rendite minus Rendite der Bundesanleihe – der Lohn für das Risiko des Schuldners, auch Spread genannt. Gerechnet wird mit Monatsdurchschnitten; deshalb steht hier für den Bund ein anderer Wert als der Tageswert auf Renditen von Staatsanleihen seit 1970.

Stand September 2026: Frankreich zahlt seit Oktober 2024 mehr als Spanien. 2012 war es umgekehrt.

Aufschlag gegen die Bundesanleihe, jüngster Monat mit Werten aller Länder

10-jährige Staatsanleihen, August 2026 (jüngster Monat mit Werten aller Länder), Prozentpunkte über Deutschland. Die Anleihen dazu: Staatsanleihen nach Ländern.

Kurz gesagt: Der Aufschlag ist der Preis des Zweifels – ein Grund, nachzusehen, warum: Bonität und Ratings.

Das Angstbarometer: Aufschläge in Krisen

Aufschläge messen nicht, ob ein Schuldner ausfällt, sondern wie viele daran zweifeln. 1992 zahlte Italien 7 Prozentpunkte mehr – wegen der Lira, nicht wegen einer Pleite. Mit dem Euro fiel der Aufschlag auf 0,1.

2011/12 kippte das: Italien 5,2 Prozentpunkte, Spanien 5,6, Griechenland 27. Nach Draghis „Whatever it takes“ im Juli 2012 schmolzen die Aufschläge, die Kurse stiegen.

Die großen Ausschläge

KriseWerAuf­schlag
1992WährungskriseItalien7,0Okt 1992
2008FinanzkriseUS-Unternehmen AAA bis A5,0Okt 2008
2011/12EurokriseGriechenland27,4Feb 2012
Portugal12,0Jan 2012
Spanien5,6Jul 2012
Italien5,2Nov 2011

Monatswerte. Heute: Italien 0,80, US-Unternehmen 0,87.

Kurz gesagt: Auf dem Höhepunkt der Angst waren die Kurse oft am niedrigsten – erkennbar erst hinterher.

Was das für deine Anleihe heißt

Der Aufschlag wirkt zweimal. Als Einkommen: Er ist der Mehrzins, den du jedes Jahr bekommst, solange der Schuldner zahlt. Auf den Kurs: Verlangt der Markt für deinen Schuldner plötzlich mehr Aufschlag – etwa nach schlechten Nachrichten –, fällt der Kurs deiner Anleihe sofort, weil sie noch den alten, niedrigeren Zins zahlt. Wie stark, zeigt die Tabelle: je länger die Restlaufzeit, desto stärker. Sinkt der Aufschlag wieder, steigt der Kurs im gleichen Maß.

Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt trotzdem 100 % zurück – der Kursverlust ist dann nur vorübergehend, solange der Schuldner zahlt.

So stark fällt der Kurs, wenn der Aufschlag steigt

Mehr AufschlagKursverlust bei Restlaufzeit
2 Jahre5 Jahre10 Jahre
0,5 Prozentpunkte mehr−0,9 %−2,3 %−4,2 %
1 Prozentpunkt mehr−1,9 %−4,5 %−8,1 %
2 Prozentpunkte mehr−3,7 %−8,7 %−15,4 %

Lesebeispiel: Deine Anleihe läuft noch 5 Jahre, der Markt verlangt 1 Prozentpunkt mehr Aufschlag – der Kurs fällt um 4,5 %, von 100 auf rund 95,5. Gerechnet bei 3 % Kupon; im Rechner mit deinen Zahlen.

Kurz gesagt: Ein hoher Aufschlag ist kein Schnäppchen, sondern der Preis für möglichen Ausfall: Risiko kennen.

Hinweise

Methodik. Aufschlag = Rendite minus Rendite der Vergleichsanleihe (Bundesanleihe bzw. US-Staatsanleihe) im selben Monat, in Prozentpunkten (berechnet). Euro-Staaten: 10-jährige Staatsanleihen minus Deutschland, Monatsdurchschnitte ab März 1991. Für Deutschland geht die Umlaufsrendite 9–10 Jahre ein, etwas unter der jüngsten Bundesanleihe; die Aufschläge liegen daher 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte über den Marktspreads. USA: Unternehmensanleihen hoher Bonität (AAA bis A, 10 Jahre) minus 10-jährige US-Staatsanleihe, Monatswerte seit 1984. Die Unternehmensrendite ist eine Spot-Rendite (Nullkupon), die Staatsanleihe eine Kuponrendite; der Aufschlag fällt dadurch meist 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte höher aus. Kurstabelle: Barwert bei 3 % Kupon.

Reihen und Aktualisierung. Langfristige Zinsen von elf Ländern, Monatsdurchschnitte (wie Renditen von Staatsanleihen seit 1970; keine Tageswerte). USA: Spot-Rendite 10 Jahre der Unternehmensanleihen, monatlich, und 10-jährige US-Staatsanleihe, Monatsdurchschnitt. Abruf täglich um 10 Uhr; neue Monatswerte erscheinen rund zwei Wochen nach Monatsende.

Quelle: OECD; eigene Berechnung.

Keine Anlageberatung.

Daten-Stand: USA September 2026 · Länder September 2026