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Anleihenleiter, Hantel und Roll-down

Eine Anleihe ist ein Kauf. Mehrere Anleihen mit Plan sind eine Strategie – sie glättet den Zins, hält dich flexibel und kann bei unveränderter Zinskurve einen Extra-Ertrag bringen. Sechs Karten, jede mit Schaubild. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 15.10.2026

Die Leiter bauen

Teile dein Geld in gleiche Teile und kaufe Anleihen, die in 1, 2, 3, 4 und 5 Jahren fällig werden – eine Sprosse je Jahr. So wettest du nicht auf einen Termin und ein Zinsniveau, sondern verteilst beides.

Die Regeln: gleiche Beträge je Sprosse, gleicher Abstand, gute Bonität auf allen Sprossen. Fünf Sprossen sind üblich, zehn der Klassiker. Nach der Lehrbuch-Regel reicht die längste Sprosse nicht über den Anlagehorizont hinaus – die Duration-Regel.

50.000 €, fünf Sprossen, Beispielzinsen

Je 10.000 €. Durchschnittsrendite 2,6 %, Duration rund 2,8 – wie eine einzige 3-jährige, aber jedes Jahr wird Geld frei.

Staatsanleihen in Euro, 1 bis 7 Jahre →

Kurz gesagt: Gleiche Beträge, gleicher Abstand, eine Fälligkeit je Jahr. Die Leiter (englisch Bond Ladder) verteilt Termin und Zinsniveau.

Die Leiter pflegen: jedes Jahr eine Sprosse nachkaufen

Nach einem Jahr wird die erste Sprosse fällig. Mit dem Geld kaufst du die neue längste Sprosse nach – im Beispiel eine neue 5-jährige, fällig in Jahr 6. Alle anderen sind ein Jahr kürzer geworden; die Leiter sieht aus wie am Anfang.

Das ist die ganze Pflege: eine Order pro Jahr. Du musst nie raten, wann der richtige Moment ist – du kaufst immer zum aktuellen Zins, und die Duration des Depots bleibt von selbst konstant.

Ein Jahr später: die fällige Sprosse wandert ans Ende

Das Geld aus Jahr 1 (10.000 € plus Zinsen) wird zur neuen Sprosse für Jahr 6. Zinsen zwischendurch: aufs Konto oder in die nächste Sprosse.

Kurz gesagt: Fällig → als neue längste Sprosse nachkaufen. Eine Order im Jahr, keine Prognose nötig.

Was die Leiter bringt: einen geglätteten Zins

Weil du jedes Jahr eine Sprosse kaufst, ist dein Depotzins der Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Steigt das Zinsniveau, ziehst du Jahr für Jahr nach; fällt es, halten die alten Sprossen den hohen Zins noch eine Weile.

Wer im Jahr 1 alles in eine 5-jährige zu 1 % steckt, sitzt fünf Jahre fest. Die Leiter kauft in den Jahren 2, 3 und 4 zu 2, 3 und 4 % nach. Im Rückblick bringt sie selten den höchsten Zins – und selten den niedrigsten.

Zinsniveau springt – der Leiterzins folgt langsam

↑ Zins pro Jahr, angenommene Werte
11,0
21,2
31,6
42,2
32,6
Jahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 4Jahr 5
Zinsniveau 5 JahreDurchschnitt der Leiter

Leiter: im Jahr 1 ganz zu 1 % gekauft, danach je Jahr die fällige Sprosse zum Zinsniveau nachgekauft. Einmalkauf im Jahr 1: fünf Jahre lang 1 %.

Kurz gesagt: Der Leiterzins ist ein Fünfjahresdurchschnitt: selten der höchste, selten der niedrigste – und ohne Prognose.

Die Hantel: kurz und lang, nichts dazwischen

Die Hantel (englisch Barbell) legt die eine Hälfte ganz kurz an, die andere ganz lang – die Mitte bleibt leer. Kurz hält dich flexibel, lang sichert den Zins für Jahre. Die Duration ist fast dieselbe wie bei einer Leiter, die Enden sind es nicht.

Ihr Vorteil: mehr Konvexität – bei großen Zinsbewegungen schneidet sie besser ab als die Leiter. Ihr Preis: Bei einer flachen oder inversen Kurve bringen die langen Sprossen kaum mehr Zins als die kurzen, und die lange Hälfte schwankt kräftig.

Zwei Depots, fast gleiche Duration: rund 4,9 und 4,8

Hantel: 50 % Duration 1,0 + 50 % Duration 8,5 ≈ 4,8. Leiter 1–10: Durchschnitt der zehn Durationen (1,0 bis 8,5) ≈ 4,9. Modifizierte Durationen bei 3 % Kupon.

Kurz gesagt: Hantel = Liquidität plus Zinssicherung, ohne Mitte. Passt bei steiler Kurve oder wenn du beides zugleich brauchst.

Roll-down: der Kursgewinn aus dem Älterwerden

Bei normaler Zinskurve bringen lange Laufzeiten mehr als kurze. Deine 5-jährige zu 3,0 % ist in einem Jahr eine 4-jährige – und 4-jährige rentieren nur 2,9 %. Deine zahlt weiter 3,0 % Kupon – deshalb steigt ihr Kurs, bis auch sie nur noch 2,9 % rentiert: auf rund 100,4.

Diese 0,4 % bekommst du zusätzlich zum Kupon, ohne dass sich das Zinsniveau bewegt hat – nur weil die Anleihe die Kurve hinuntergerutscht ist. Je steiler die Kurve, desto größer der Effekt. Bei inverser Kurve läuft er rückwärts und kostet.

Die Kurve hinunterrutschen

Zinskurve von 2,0 Prozent bei 1 Jahr bis 3,0 Prozent bei 5 Jahren. Die 5-jährige zu 3,0 Prozent wird nach einem Jahr zur 4-jährigen; deren Rendite liegt bei 2,9 Prozent, der Kurs steigt auf 100,4.3,02,52,01 J.2 J.3 J.4 J.5 J.Kauf: 5 J., 3,0 %ein Jahr später: 4 J., 2,9 %↑ Rendite in %Restlaufzeit →Zinskurve von 2,0 Prozent bei 1 Jahr bis 3,0 Prozent bei 5 Jahren. Die 5-jährige zu 3,0 Prozent wird nach einem Jahr zur 4-jährigen; deren Rendite liegt bei 2,9 Prozent, der Kurs steigt auf 100,4.3,02,52,01 J.2 J.3 J.4 J.5 J.Kauf: 5 J., 3,0 %ein Jahr später:4 J., 2,9 %↑ Rendite in %Restlaufzeit →
Kupon 3,0 % + Kursgewinn 0,4 % = Ertrag im ersten Jahr3,4 %

Angenommene Kurve. Kurs der 4-jährigen mit 3 % Kupon bei 2,9 % Rendite: 100,37. Bei inverser Kurve (4 J. 3,1 %): Kurs 99,63, Ertrag 2,6 %.

Kurz gesagt: Bei normaler Kurve gewinnt jede Anleihe Kurs, nur weil sie kürzer wird. Steile Kurve = großer Roll-down, inverse Kurve = Roll-up.

Welche Strategie zu welcher Zinskurve passt

Lehrbücher ordnen die Strategien der Form der Zinskurve zu. Steil: Lange Sprossen bringen mehr Zins und den größten Roll-down – das spricht eher für eine längere Leiter oder die Hantel. Flach: Lang bringt kaum mehr als kurz, aber viel mehr Schwankung – das spricht eher für kurze Laufzeiten, etwa eine Leiter bis 5 Jahre. Invers: Kurz bringt am meisten, lang sichert den Zins für die Zeit danach – viele kombinieren dann eine kurze Leiter mit ein paar langen Sprossen.

Die Leiter selbst kommt ohne Einschätzung der Kurve aus: Sie funktioniert bei jeder Kurve, bringt aber selten am meisten.

Drei Kurven, drei Lehrbuch-Zuordnungen

Zuordnung aus dem Lehrbuch, keine Empfehlung für die aktuelle Marktlage. Wie die Kurve gerade aussieht, zeigt die Seite Zinskurve – täglich für Deutschland und die USA.

Zinskurve seit 1972: steil, flach oder invers? →

Kurz gesagt: Steil: oft lang und Roll-down. Flach: oft kurz. Invers: oft kurz plus Zinssicherung. Die Leiter funktioniert bei jeder Kurve.

Diese Seite erklärt Depot-Strategien. Sie empfiehlt keine Anlage. Die Zinsen in den Beispielen sind angenommen, die Zahlen gerundet.

Hinweise

Beispiele. Alle Zinsen angenommen (Karte 1: 2,0 / 2,4 / 2,7 / 2,9 / 3,0 %; Karte 2 neue Sprosse 3,2 %; Karte 3 Zinsniveau 1 / 2 / 3 / 4 / 3 %; die Leiter wird im Jahr 1 ganz gekauft, vereinfacht für alle Laufzeiten zu 1 %, danach jedes Jahr die fällige Sprosse als neue 5-jährige zum Zinsniveau des Jahres; Leiterdurchschnitt = Mittel der fünf Sprossen: 1,0 / 1,2 / 1,6 / 2,2 / 2,6 %). Duration der Leiter 1–5 ≈ Mittel der Einzeldurationen (1,0 / 1,9 / 2,8 / 3,7 / 4,6) ≈ 2,8; Leiter 1–10 (1,0 / 1,9 / 2,8 / 3,7 / 4,6 / 5,4 / 6,2 / 7,0 / 7,8 / 8,5) ≈ 4,9; Hantel 50 % Duration 1,0 + 50 % 8,5 ≈ 4,75, gerundet 4,8 (modifizierte Durationen für 3 % Kupon, siehe Duration).

Roll-down. 4-jährige Anleihe mit 3 % Kupon, Kurs bei 2,9 % Rendite 100,37, bei 3,1 % 99,63 (ISMA, jährlich, glatte Jahre). Ertrag im ersten Jahr = Kupon + Kursänderung, ohne Wiederanlage und Kosten; Voraussetzung ist eine unveränderte Zinskurve.

Konvexität der Hantel. Bei gleicher Duration hat ein Depot aus sehr kurzen und sehr langen Laufzeiten eine höhere Konvexität als ein gleichmäßig verteiltes, weil die Konvexität überproportional mit der Laufzeit steigt (Konvexität der 30-jährigen ≈ 510, der 10-jährigen ≈ 87, der 2-jährigen ≈ 6 bei 3 % Kupon).