Anleihen statt Tagesgeld und Festgeld
Eine Anleihe bringt Sparern im Durchschnitt mehr Zins als Tagesgeld und Festgeld, lässt sich anders als Festgeld an jedem Börsentag verkaufen und erspart das ständige Wechseln der Bank – gegen ein Kursrisiko, das du kennen solltest. Fünf Gründe mit Schaubildern, dazu die Kehrseite. Lesezeit: etwa 6 Minuten · Stand: 30.10.2026
Einmal kaufen statt ständig wechseln
Das WichtigsteAktionszinsen beim Tagesgeld gelten meist nur drei bis sechs Monate. Dann fällt der Zins auf den Standardsatz, und das Spiel beginnt von vorn: neue Bank, neues Konto, neue Legitimation. Festgeld endet mit der Laufzeit – oft verlängert die Bank automatisch, zu einem niedrigeren Satz.
Eine Anleihe kaufst du einmal. Kupon, Zinstermin und Fälligkeit stehen fest, bis dahin musst du nichts mehr tun.
Kurz gesagt: Kein Tagesgeld- und kein Festgeld-Hopping. Der Zins deiner Anleihe läuft bis zur Fälligkeit – ohne Wechsel.
Mehr dazu
- Wann die Zinsen kommen und wann das Geld zurück, steht im Steckbrief jeder Anleihe. My Bondarium erinnert dich per E-Mail vor der Fälligkeit.
- Wer mehrere Anleihen mit gestaffelten Fälligkeiten hält, legt nie alles auf einmal neu an – das ist die Anleihenleiter.
- Der Preis der Ruhe: Steigt das allgemeine Zinsniveau, bleibt dein Kupon, wo er ist. Beim Tagesgeld zieht die Bank irgendwann nach (Grund 6).
Mehr Zins – bei Spitzenbonität
Durchschnitt aller Banken, Einlagen privater Haushalte; Aktionsangebote einzelner Banken liegen darüber – meist nur für Neukunden und wenige Monate. Bundesanleihen: Rendite bis Fälligkeit. Unternehmensanleihen: Median von 1.328 Euro-Anleihen mit Bonitätsstufe 1 bis 3 laut EZB, Stückelung bis 10.000 € (Kursstand 29.10.2026).
Tagesgeld bringt privaten Haushalten im Durchschnitt 0,51 % pro Jahr, Festgeld bis ein Jahr 2,28 %. Eine Bundesanleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit rentiert mit 2,89 %, mit zehn Jahren mit 3,37 %.
Und der Schuldner ist der Bund – mit der höchsten Bonitätsnote AAA. Beim Tagesgeld schützt dich die gesetzliche Einlagensicherung, aber nur bis 100.000 € je Kunde und Bank. Darüber hängt dein Geld an der Bonität der Bank.
Kurz gesagt: Mehr Zins als Tagesgeld und Festgeld – und beim Bund ein Schuldner mit Bestnote, ohne Grenze bei 100.000 €.
Mehr dazu
- Unternehmensanleihen guter Bonität bringen noch etwas mehr (3,80 % im Median) – mit dem Ausfallrisiko eines Unternehmens statt dem des Bundes (Grund 6).
- Die Bonität prüfst du vor dem Kauf: Die Stufe laut EZB steht in jedem Steckbrief, die Notenskala erklärt die Seite Bonität und Ratings.
- Wie Einlagensicherung und Bonität genau greifen, zeigt der neutrale Vergleich Anleihe, Festgeld oder Tagesgeld?
Zinsen dann, wann du sie willst
Beim Tagesgeld kommen die Zinsen, wann die Bank es vorsieht. Bei einer Anleihe wählst du den Zinstermin mit – er steht im Steckbrief, und es gibt Anleihen für jeden Monat.
Du kannst den Ertrag sogar nach hinten verlagern: Eine Anleihe mit niedrigem Kupon kostet weniger als 100 %. Sie zahlt wenig Zinsen zwischendurch, dafür bekommst du bei Fälligkeit den vollen Nennwert zurück. Der Ertrag kommt als Kursgewinn am Ende – bei gleicher Rendite.
Kurz gesagt: Zinstermin nach Wunsch – und mit niedrigem Kupon unter 100 % kommt der Ertrag erst bei Fälligkeit.
Mehr dazu
- Echte Kurse (29.10.2026): Die Bundesanleihe 2,10 % fällig 15.11.2029 kostet 97,08 % und rentiert mit 3,12 %. Die Bundesanleihe 6,25 % fällig 04.01.2030 kostet 109,34 % – Rendite 3,11 %, fast gleich. Nur der Weg des Ertrags ist ein anderer.
- Kursgewinne werden wie Zinsen besteuert, aber erst bei Fälligkeit oder Verkauf. Was das für dich heißt, ist keine Steuerberatung – die Regeln erklärt Steuern und Handelskosten.
- Den Zinstermin findest du im Steckbrief („Zinsen jedes Jahr am …“); in der Anleihen-Suche sortierst du nach Kupon und Fälligkeit.
Vorzeitig ans Geld: verkaufen statt kündigen
Festgeld bindet dich bis zum Ende. Vorzeitig geht es meist gar nicht – und wenn die Bank mitspielt, verlierst du die Zinsen. Dazu liegt der Festgeldzins im Durchschnitt unter der Rendite einer Bundesanleihe ähnlicher Laufzeit (Grund 2).
Eine Anleihe verkaufst du an jedem Börsentag zum Kurs des Tages. Die seit dem letzten Zinstermin aufgelaufenen Zinsen bekommst du als Stückzinsen vom Käufer – sie gehen nicht verloren.
Kurz gesagt: Festgeld: raus nur mit Zinsverlust, wenn überhaupt. Anleihe: jeden Börsentag verkaufen, Stückzinsen inklusive.
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- Der Verkaufskurs kann über oder unter deinem Kaufkurs liegen. Je kürzer die Restlaufzeit, desto kleiner der Ausschlag (Grund 6).
- Der Erlös ist zwei Geschäftstage nach dem Verkauf auf deinem Konto. Wie die Abrechnung aussieht, zeigt Nach dem Kauf.
- Verkaufen kostet eine Ordergebühr und die Geld-Brief-Spanne – bei Bundesanleihen ist die Spanne meist winzig (Grund 6).
Dazu die Chance auf Kursgewinne
Fällt das allgemeine Zinsniveau, steigt der Kurs deiner Anleihe: Neue Anleihen zahlen weniger, deine alte mit dem höheren Kupon wird wertvoller. Du kannst sie dann mit Gewinn verkaufen – oder einfach weiter Zinsen kassieren und bei Fälligkeit den Nennwert nehmen.
Tagesgeld und Festgeld kennen diese Chance nicht. Beim Tagesgeld sinkt der Zins einfach mit.
Kurz gesagt: Sinkende Zinsen heben den Kurs – eine Chance, die Tagesgeld und Festgeld nicht haben. Steigen sie, gilt das Gegenteil (Grund 6).
Mehr dazu
- Wie stark der Kurs reagiert, hängt von der Restlaufzeit ab: bei fünf Jahren rund 4 % je Prozentpunkt, bei zehn Jahren rund 8 %. Die Kennzahl dafür heißt Duration.
- Hältst du bis zur Fälligkeit, spielt der Kursweg keine Rolle: Es gibt den Nennwert – wenn der Emittent zahlt.
Die Kehrseite – kurz und ehrlich
- Der Kurs kann zwischenzeitlich fallen.Steigt das Zinsniveau, sinkt der Kurs – bei zehn Jahren Restlaufzeit rund 8 % je Prozentpunkt. Bis zur Fälligkeit zählt der Nennwert.
- Der Emittent kann ausfallen.Keine Einlagensicherung: Zahlt der Schuldner nicht, ist oft ein großer Teil weg. Darum Bonität prüfen – der Bund trägt die Bestnote.
- Mindeststückelung.Bundeswertpapiere gibt es ab 0,01 € Nennwert, viele Unternehmensanleihen ab 1.000 € – 49 % der Euro-Unternehmensanleihen aber erst ab 100.000 €.
- Kaufkosten.Ordergebühr (0 bis rund 18 € für 5.000 €, je nach Broker) und Geld-Brief-Spanne. Bei kleinen Beträgen und kurzer Laufzeit fressen sie einen Teil des Zinsvorteils.
Eine Anleihe ist kein Sparkonto. Vier Dinge solltest du kennen, bevor du umsteigst – keines davon spricht gegen Anleihen, jedes gehört aber in deine Entscheidung.
Für den Anfang passen Bundeswertpapiere oder Staatsanleihen mit Bestnote in Euro, mit einer Fälligkeit nahe an deinem Termin.
Kurz gesagt: Kursschwankung, Emittentenrisiko, Stückelung und Kaufkosten kennen – dann weißt du, was du gegen den Mehrzins eintauschst.
Mehr dazu
- Alle sieben Risiken von Anleihen im Überblick: Risiko kennen.
- Steuern: Zinsen und Kursgewinne aus Anleihen versteuerst du wie Tagesgeld- und Festgeldzinsen (Abgeltungsteuer, Sparerpauschbetrag) – Steuern und Handelskosten.
- Schritt für Schritt zur ersten Anleihe, mit Prüfliste: Deine erste Anleihe.
Diese Seite erklärt, was Anleihen von Tagesgeld und Festgeld unterscheidet. Sie empfiehlt keine Anlage und ist keine Steuerberatung. Die Zahlen sind gerundet.
Hinweise
Zinssätze (Grund 2): Durchschnitt der Einlagen privater Haushalte in Deutschland aus der MFI-Zinsstatistik, Monatswert – täglich fällig (Bestand, auch unverzinste Konten) und mit vereinbarter Laufzeit bis 1 Jahr (Neugeschäft). Bundesanleihen: Rendite aus der Zinsstrukturkurve für 2 und 10 Jahre Restlaufzeit, Stand am Ende desselben Monats. Unternehmensanleihen: Median der Rendite aller Euro-Unternehmensanleihen mit aktuellem Kurs an deutschen Börsen, Bonitätsstufe 1 bis 3 laut EZB-Liste, Stückelung bis 10.000 €, Restlaufzeit 1 bis 5 Jahre, zum Kursstand. Alle Werte werden bei jedem Datenlauf neu gesetzt. Schaubilder 1, 3, 4 und 5 sind schematische Beispiele ohne Kosten und Steuern: Grund 3 mit 1.000 € Nennwert, Kupon 4 % zu 104 % bzw. 1 % zu 91 %, je rund 3 % Rendite; Grund 4 mit 10.000 € und 3 % Zins, Verkauf nach 18 Monaten; Grund 5 mit Kupon 3 %, 5 Jahre Restlaufzeit, Rendite nach einem Jahr 2 bzw. 4 % – Kurs 103,8 bzw. 96,4 %. Echte Kurse in Grund 3 wie auf „Anleihen einfach erklärt“: ein Paar Bundeswertpapiere mit fast gleicher Fälligkeit, eines über, eines unter 100 %, bei jedem Datenlauf neu gewählt. Einlagensicherung: gesetzlich 100.000 € je Kunde und Bank.
Quelle: Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank.